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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

43/2019

Börek, Salami, Mortadella

Europäische Speisekarte

Börek ist nicht nur in Deutschland beliebt. Das türkische Nationalgebäck ist auch auf dem Balkan (als Bourek, Burek, Byrek und griech. Pita/πίτα) weit verbreitet, wird aber nirgends mit ck geschrieben. Gefüllt wird die Spezialität mit Käse, Gemüse oder Fleisch – in muslimischen Regionen in der Regel natürlich nicht mit Schweinefleisch. Auf der nebenstehenden Speisekarte einer Schule wird auch Salami ohne Schweinefleisch angeboten (eigentlich natürlich großgeschrieben, Pute). Wer denkt: »Das geht doch nicht, das darf doch dann gar nicht mehr als Salami bezeichnet werden!«, hat nur zum Teil recht; zumindest muss (wie hier) vermerkt werden, wenn sie nicht aus Schwein und/oder Rind hergestellt wurde. Ursprünglich wurde für die Salami (ital. salame ›Salzwurst‹, das i kennzeichnet den Plural) jedoch gar kein Schwein verwendet, sondern Esel/Maultier. Bei Mortadella sieht es da schon schwieriger aus: Pute in Mortadella ist in den »Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse« nicht vorgesehen und würde die Italiener wohl auch nicht begeistern, aber man handelt hier gewissernaßen salamikonform durch Ausweisung (vom Standard) abweichender Zutaten.

42/2019

Fremdsprachig oder fremdsprachlich?

Frau mit Laptop vor einer Schultafel, auf der der Ausdruck "Hallo" in verschiedenen Sprach

Herbstferienzeit ist Reisezeit! Viele reisen noch einmal in den Süden, wo sie mit Fremdsprachen in Kontakt kommen. Vor Ort kann man fremdsprachige Zeitungen lesen oder fremdsprachige Filme schauen und die Fremdsprachenkompetenz verbessern. Fremdsprachig bedeutet ›sich in einer fremden Sprache bewegend‹ oder ›eine oder mehrere Sprachen sprechend, in einer oder mehreren Sprachen‹. Analog dazu gebildet sind die Adjektive einsprachig, mehrsprachig oder deutschsprachig. Fremdsprachlich dahingegen heißt ›eine fremde Sprache betreffend‹ oder auch ›zu einer fremden Sprache gehörend, daraus kommend‹. So gibt es fremdsprachlichen Unterricht und fremdsprachliche Wörter im Deutschen. Andere Adjektive, die auf -sprachlich enden, sind altsprachlich, umgangssprachlich oder schriftsprachlich.

41/2019

Von Koteletts und Koteletten

Das Kotelett – Ähnlichkeit mit dem Backenbart?

Offen gesagt: Wir würden das Kotelett am liebsten auch Kottlett schreiben – hat es doch ein kurzes, offenes O [ɔ] und ist damit prädestiniert für einen nachfolgenden Doppelkonsonanten. Da es aber von frz. côtelette, wörtlich ›Rippchen‹, entlehnt worden ist, will es von der Gemeinschaft offensichtlich noch herkunftsnah geschrieben werden, jedenfalls ist die Schreibung noch nicht vollständig an die deutsche Orthografie angepasst worden. Immerhin das K schien aber überzeugend, das sowohl für das zu bratende Fleischstück als auch für den Frisurstil angewendet wird (doch, doch: wegen seiner »Ähnlichkeit« mit einem Kotelette). Allerdings dürfte nicht allgemein bekannt sein, dass die Koteletten (hier nicht im Sinne des Fleischvielfachs, sondern in der liebevoll-erheiternden Bezeichnung Backenbart) nicht einheitlich benannt werden: Die einen sagen Backenbart, die anderen Wangenbart. Hier tobt ein Streit zwischen Medizinern und Sprachbewussten, ob die Gesichtspartie denn Backe oder Wange heißt – auch, um sie abzugrenzen: Die *Powange gibt es jedenfalls nicht. (Foto: RitaE)

40/2019

Chlor, chloro-..., gechlort geklärt

Bunte Farbenpracht mit Herz und ohne Chlorophyll

Im Herbst wird’s bunt. Dabei sind die Farben schon viel früher da, doch im Herbst werden die Chlorophylle abgebaut, die für das frische Grün sorgen (gr. chlōrós ›gelblich grün‹), das die anderen Farben überlagert. Die griechische Herkunft ergibt die Schreibweise mit ch und ph und nicht *Klorofyll. Auch in anderen Wörtern wird die Schreibweise beibehalten, auch wenn es nicht ganz richtig ausschaut: chloren, gechlort, chlorig. Grund ist hier natürlich, dass die Wörter vom chemischen Element Chlor (Cl) abgeleitet sind – also leicht zu merken. Ein Fallstrick ist aber Chlorid vs. Chlorit: Gänzlich chlorfrei ((Fe,Mg,Al,Zn)subscr|//6//|subscr(Si,Al)subscr|//4//|subscrOsubscr|//10//|subscr(OH)subscr|//8//|subscr), aber grünlich, sind einige Chlorite, eine ansehnliche Mineralgruppe. Chlorit gibt es allerdings auch als chlorbasiertes Salz. Üblicherweise wird für Chlorverbindungen jedoch Chlorid verwendet. Mit Natrium verbindet sich beides, was tunlichst nicht verwechselt werden sollte: Natriumchlorid rundet jedes Essen ab, Natriumchlorit (ein Bleichmittel) ist schwer verdaulich und explosiv. (Foto: Rebekka D)

39/2019

Kroki oder Croquis?

Skizze Stadt Verkehr

Wer kennt das Fremdwort für ›Plan‹, ›einfache Geländezeichnung‹ oder ›künstlerische Skizze‹? Und wer weiß außerdem, wie es geschrieben wird? Der Duden empfiehlt die Schreibung Kroki, daneben ist aber auch die dem französischen Original entsprechende Schreibung Croquis korrekt. Das Wort geht auf das französische Verb croquer für ›skizzieren‹ zurück.

38/2019

Adieu, Dekolleté

Kleidungsstücke mit vielen unterschiedlichen Kragen

Die Herbsttage kommen und mit ihnen die Stoffmengen. Und dennoch werden nicht alle Hautpartien überzogen – dank Dekolleté. Wörtlich bedeutet das aus dem Französischen entlehnte Wort ›Halskragen‹, was schon darauf hinweist, dass es nicht die Hautpartie unterhalb des Halses bezeichnet, sondern den Ausschnitt im Kleid(ungsstück). Insofern ist eine Aussage wie Sie hat ein schönes Dekolleté nicht ganz treffend; korrekter wäre Ihr Kleid hat ein schönes Dekolleté. Im Duden wird allerdings der Push-up-BH als »ein üppiges Dekolleté formender BH« beschrieben, was so gar nicht zum Kleidungsausschnitt passen mag. Offensichtlich sind wir inmitten eines semantischen Wandels bzw. neben dem ›Ausschnitt‹ kommt eine weitere Bedeutung zu: die ›Hautpartie‹. Wenn es kalt wird, spielt diese Feinheit aber ohnehin keine Rolle – dann wird beides mit einem Schal bedeckt. Doch kommen wir endlich zur Schreibung, der allerdings das Atemberaubende fehlt, da man hier – anders als bei einem übermäßigen Dekolleté – kaum etwas falsch machen kann: Neben Dekolleté ist auch Dekolletee zulässig und in der Schweiz – ganz ohne Anpassung der Schreibweise – auch Décolleté. (Foto: Kaz)

37/2019

Hollandaise

Es ist Pfifferlingzeit! Die edlen Pilze sind teure Delikatessen, die nur wenige von sich wegschieben würden. Aber mit Sauce hollandaise? Auch die Grundlage ist wohl eine Geschmacksfrage. Keine Geschmacksfrage hingegen ist die Schreibung der Soße. Sie kann tatsächlich großgeschrieben werden, wenn sie als Kurzform verwendet wird (wie die Holländische). Als Adjektivattribut muss sie allerdings kleingeschrieben werden (wie auch Pommes[,] rot-weiß). Daneben wäre noch interessant, wie es zur (zumindest sprachlich inkorrekten) Mischung von Lehnwort (dt. Soße) und Fremdwort (frz. hollandaise) gekommen ist? Eine verständliche Erklärung wäre, dass die Bedienung die eigenwillige Mischung von Pfifferlingen und Sauce hollandaise sprachlich abbilden wollte oder dem Koch pfiffig mitteilen wollte, wie sie zu der ihrer Ansicht bedauernswerten Zusammenstellung steht. Ob mit oder mit abbestellter Hollandaise – wir wünschen eine schmackhafte Pilzsaison und guten Appetit!

36/2019

Unterzeichneter

Hand, die eine Unterschrift unter ein Dokument setzt

Wer eine Unterschrift unter ein Dokument setzt, ist ein Unterzeichneter oder eine Unterzeichnete. Doch woher stammen diese Namen für ›Unterzeichner‹ bzw. ›Unterzeichnerin‹? Die Ausdrücke wirken passivisch, haben jedoch eine aktivische Bedeutung. Sie stammen von dem alten reflexiven Verb sich unterzeichnen für ›unterschreiben‹ ab (vgl. analog dazu ein Verliebter bzw. eine Verliebte zu sich verlieben). Ein Unterzeichneter ist also ein Mann, der sich unterzeichnet hat. In Zeiten der Gendergerechtigkeit könnte man argumentieren, die Pluralform die Unterzeichnenden wäre die beste Lösung, doch das Partizip I kann streng genommen nicht verwendet werden, da ein Dokument oder Brief ja weder während des Schreibens noch während des Lesens unterzeichnet wird. Der Nominalausdruck Unterzeichner kann grundsätzlich synonym zu Unterzeichneter verwendet werden, aber nicht, wenn es um eine Verbindung mit links oder rechts geht. In diesem Fall gibt es sowohl die Möglichkeit der rechts / links Unterzeichnete als auch der Rechtsunterzeichnete / Linksunterzeichnete.

35/2019

Karrosserie oder Karosserie?

Ausschnitt Karosserie eines grünen Autos (Pontiac) vor Himmel, Froschperspektive

Wie nennt man den Aufbau von Kraftwagen oberhalb des Fahrgestells? Karrosserie oder Karosserie? Das Wort geht auf das lateinische carrus für ›Wagen‹ bzw. das französische carrosserie zurück, entsprechend würde man erwarten, dass die Variante mit zwei r korrekt ist. Doch in diesem Fall hilft die Etymologie in Bezug auf die Schreibung leider nicht: Im Deutschen wird Karosserie schon lange nur noch mit einem r geschrieben.

34/2019

Mehr nah ist nicht gleich näher

Streng genommen haben Sie Recht: Ein Orthografieproblem ist das nicht; aber das Mitleid mit dieser allzu nahen Person war einfach zu groß. Und so thematisieren wir auch mal ein sprachvergleichendes Problem. Die englische Sprache bildet das »Mehr« an etwas (den Komparativ) nämlich nicht nur mit der Endung -er (happier), sondern auch mit more, wenn etwa die Adjektive vielsilbig sind (more difficult). Die deutschen Sprachteilnehmer wollen dem offensichtlich nicht nachstehen und so wird der Komparativ mitunter formal entsprechend gebildet: mehr sonnig, mehr verantwortlich oder eben mehr nah. Verständlich ist, dass Werbung über Sprachunregelmäßigkeiten auffallen soll, aber da scheint ein Foto doch erfolgversprechender. Oder mehr Erfolg versprechend? Wie auch immer: Seien Sie mehr offen für Sprachwandel – oder auch kritischer! ;-)

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Noch mehr Tipps?

Sie finden die deutsche Rechtschreibung so spannend? Prima, wir auch. Weitere Tipps der Woche finden Sie im Archiv.