Tipps: Wochen­rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

Tipp der WOCHE 50/2018

Re­keln oder rä­keln?

schlafende Hunde auf einem Bett

Ach, wie wäre es schön, man könnte am Montagmorgen noch eine Weile im Bett liegen bleiben und mit Behagen den Körper recken und dehnen, sich noch ein wenig im Bett rekeln. Dieses umgangssprachliche Verb stammt von dem seit dem 17. Jahrhundert bezeugten niederdeutschen Substantiv »Rekel«, das so viel wie ›hoch aufgeschossener, schlaksiger junger Mann; Flegel‹ bedeutet. Dies wiederum geht auf das mittelniederdeutsche »Rekel« in der Bedeutung ›Bauernhund, Dorfköter‹ zurück. Neben der Schreibung »rekeln« ist zudem die Schreibung »räkeln« zugelassen. In der ersten Person Singular kann man sowohl die Form »ich rekle/räkle mich« als auch »ich rekele/räkele mich« verwenden. Aber jetzt ist Schluss mit Räkeln, die Arbeit ruft!

Tipp der WOCHE 49/2018

Sich beziffern

durcheinandergewürfelte Zahlen

Der Ausdruck »sich beziffern auf« im Sinne von ›sich belaufen auf‹ oder ›betragen‹ sollte stets zusammen mit einer bestimmten (und nicht mit einer unbestimmten) Angabe versehen werden: »Der Gesamtsachschaden beziffert sich auf etwa 25 Millionen Euro« und nicht »Der Gesamtsachschaden beziffert sich auf eine große Summe«.

Tipp der WOCHE 48/2018

Blesshuhn oder Blässhuhn?

Blesshuhn mit Jungtieren

Wie nennt man diese auf dem Bild zu sehende Vogelart mit dem weißen Fleck auf der Stirn? Richtig, das Tier ist nach diesem Fleck, der sogenannten Blesse benannt: Es handelt sich um ein Blesshuhn! Die Schreibung »Blesshuhn« wird sowohl in der Fachsprache als auch vom Duden bevorzugt, daneben ist aber auch die Variante »Blässhuhn« korrekt. Die Variante mit »ä« lässt sich anhand der Sprachgeschichte erklären: Das Wort »Blesse« hieß im Frühneuhochdeutschen bzw. Mittelhochdeutschen »blasse«, das wiederum auf das Althochdeutsche »blassa« zurückgeht. Übrigens: Sowohl »Blesse« als auch »Blässe« (in der Bedeutung ›Blassheit‹) gehen auf die gleich indogermanische Wurzel zurück. Die heutige Bedeutung ›bleich‹ hat das Wort »Blässe« erst seit dem 14. Jahrhundert.

Tipp der WOCHE 47/2018

Fantasie oder Phantasie?

Fliegender Pegasus am Wolkenhimmel, unten ein Fels

Schreibt man »Fantasie« oder »Phantasie«? Es kommt darauf an, was gemeint ist. Vorneweg sei gesagt: »Fantasie« ist immer korrekt. Wenn man ein frei improvisiertes Musikstück meint, ist nur die Schreibweise »Fantasie« zulässig. Wenn es dahingegen um das Wort in der Bedeutung ›Vorstellungsvermögen‹ bzw. ›Erfindungsgabe‹ geht, ist sowohl die Schreibweise mit »f« als auch mit »ph« möglich, wobei im Duden die f-schreibung präferiert wird. Dies gilt auch für davon abgeleitete Wörter: fantastisch / phantastisch, fantasieren / phantasieren, fantasievoll / phantasievoll sowie Fantast / Phantast. Die ph-Schreibung rührt vom griechischen Ursprungswort, dem Verb »phantázesthai« her, was ›sichtbar werden, erscheinen‹ bedeutet.

Tipp der WOCHE 46/2018

bewusst machen/bewusstmachen, bewusst werden/bewusstwerden

Manche Dinge sollte man bewusst machen, manche Dinge müssen einem bewusst werden: Sowohl »bewusstwerden« als auch »bewusstmachen« kann getrennt- oder zusammengeschrieben werden: »Du musst dir deiner Verantwortung bewusst werden/bewusstwerden« und »Man sollte den Studierenden bewusst machen/bewusstmachen, was sie können.« Wenn man allerdings »bewusst machen« im Sinne von ›mit Absicht machen‹ verwendet, muss getrenntgeschrieben werden: »Hast du diesen Fehler bewusst gemacht?« Getrennt schreibt man schließlich auch »sich etwas bewusst sein«: »Er hat so töricht gehandelt, weil er sich der Konsequenzen nicht bewusst war!« Zusammenfassend kann man festhalten, dass die Getrenntschreibung in jedem Fall immer korrekt ist. Und nicht nur dies: Der Duden zieht die Getrenntschreibung sogar vor.

Tipp der WOCHE 45/2018

Betreffend den Kasus!

Das Wort »betreffend« ist ein Partizip I und kann sowohl als Adjektiv als auch als Präposition verwendet werden: »Ein Bebauungsplan für das betreffende Gebiet« und »Vorkehrungen betreffend die Sicherheit«. Wichtig zu wissen ist, dass die Präposition einen Akkusativ verlangt. Merken kann man sich dies so: Die Bedeutung der Präposition ist »in Bezug auf« und diese Wortgruppe verlangt ebenfalls einen Akkusativ. Häufig findet man nämlich den Fehler, dass »betreffend« mit Genitiv verwendet wird. Vermutlich rührt dies daher, dass die ähnliche Präposition »bezüglich« einen Genitiv verlangt.

Tipp der WOCHE 44/2018

Rote Bete oder rote Beete?

Rote Bete als Saft sowie ganz und aufgeschnitten

Wie nennt man die Rande in (Nord-)Deutschland? Richtig! Rote Bete! Das Wort Bete stammt vom lateinischen Wort beta ab, was so viel wie ›Rübe‹ bedeutet. Neben der Schreibweise Bete ist auch Beete korrekt; vom Duden empfohlen wird aber die näher am Ursprungswort orientierte Schreibung. Das Adjektiv kann sowohl klein- als auch großgeschrieben werden, was folglich bedeutet, dass es vier verschiedene Varianten gibt: Rote Bete, Rote Beete, rote Bete und rote Beete. Doch wie immer gilt: Die gewählte Variante sollte in einem Text dann auch einheitlich verwendet werden.

Tipp der WOCHE 43/2018

Langjährig oder vieljährig?

Manche Menschen verfügen über langjährige Erfahrungen in einem bestimmten Bereich. Gemeint ist, dass während vieler Jahre Erfahrungen gesammelt wurden. Müsste es also nicht eigentlich »vieljährig« heißen? Diese Meinung vertreten manche Sprachkritikerinnen und Sprachpfleger, denn – so argumentieren sie – es gibt ja keine langen oder kurzen Jahre. Vermutlich wurde aus der Fügung »lange Zeit« irgendwann »lange Jahre« und dann eben auch »langjährig« gebildet. Im heutigen Deutsch ist aber trotz der oben genannten Kritik sowohl »lange Jahre« als auch »langjährig« absolut korrekt. »Vieljährig« findet man zwar auch im Duden, es wird aber nur äußerst selten verwendet.

Tipp der WOCHE 42/2018

Schiffschaukel oder Schiffsschaukel?

Jahrmarkt mit Schiffschaukeln

Herbst: Zeit für Ferien. Manche machen eine Schiffsreise, manche besuchen Freizeitparks mit Schiffschaukeln. Und manche fragen sich bestimmt, wann Komposita mit Schiff als Erstglied ein Fugen-s erhalten. In den meisten Fällen wird ein Fugen-s gesetzt, so beispielsweise in Schiffsarzt, Schiffsbesatzung, Schiffskatastrophe oder Schiffskoch. Ohne Fugen-s dahingegen sind Schiffbord, Schiffbruch und Schiffbrücke. Und dann gibt es zwei Komposita, bei denen beide Formen existieren: Der Ausdruck Schiffbau wird vor allem im Ingenieurwesen ohne Fugen-s verwendet, allgemeinsprachlich kommt auch Schiffsbau vor. Schiffschaukel wird meist ohne Fugen-s verwendet, die Form Schiffsschaukel ist allerdings auch korrekt.

Tipp der WOCHE 41/2018

Wohin setzt man eigentlich Kommata?

Kommafehler in Werbung

Das Komma ist ein Satzzeichen, doch wann und wohin wird es gesetzt? Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie ›Abschnitt‹ oder ›Einschnitt‹. Werden Kommata korrekt gesetzt, erleichtern sie das Lesen. Im Falle von falsch gesetzten oder fehlenden Kommata kann der Lesefluss allerdings erschwert oder die Bedeutung eines Satzes gar verfälscht werden. Das Komma ist also ein Gliederungszeichen, es grenzt bestimmte Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze voneinander ab. Kommata (auch »Kommas« ist korrekt) werden in den folgenden Fällen gesetzt: zur Abgrenzung von Nebensätzen, bei Aufzählungen, bei nachgestellten Zusätzen (Appositionen), bei Konjunktionen, bei Partizip- und Infinitivgruppen sowie bei Hervorhebungen, Ausrufen und Anreden. Genauer können die Kommaregeln übrigens im amtlichen Regelwerk nachgelesen werden, und zwar unter § 71 bis § 79. Ein Komma kann sogar Leben retten – im Folgenden bitte nicht weglassen: »Komm wir essen, Opi.« :-) Also: »Denk daran jedes, Mal kurz die Kommaregeln, nachzuschlagen wenn, du dir, unsicher bist!«

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