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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

50/2019

Komma bei formelhaften Auslassungssätzen

von Hand gemaltes Komma

Kommata bereiten immer wieder Kopfzerbrechen. Wird eins gesetzt? Und wenn ja: wo? Formelhafte Auslassungssätze müssen nicht mit Komma abgetrennt werden, dürfen es aber: »Die Lesung findet wie angekündigt morgen Abend um 19.30 Uhr statt.« Vor allem bei unvollständigen Nebensätzen, die mit »wie« eingeleitet werden, kann das Komma weggelassen werden: »Wie bereits erwähnt muss hier kein Komma stehen.« Gerade aber, wenn ein solcher Nebensatz länger ist, macht ein Komma den Satz durchaus lesbarer: »Wie bereits im Kapitel 3 unter dem Stichwort ›Kommasetzung‹ erläutert, muss bei formelhaften Auslassungssätzen kein Komma stehen.«

49/2019

»Advendskalender«

Schild mit der Beschriftung "Advendskalender 2019"

Endlich ist sie da: die Adventszeit! Die Kinder (und auch manche Erwachsene) haben sich schon lange auf ihren Adventskalender gefreut! Die Adventszeit ist die Zeit der Ankunft Christi, also die Zeit, in der man auf Weihnachten und die Geburt Christi wartet. Das Wort Advent geht auf lateinisch adventus zurück, was so viel wie ›Ankunft‹ bedeutet. Zusammensetzungen mit Advent werden üblicherweise mit einem Fugen-s gebildet: Adventskranz. In Österreich allerdings verzichtet man darauf, dort heißt es Adventkranz oder Adventkalender. Auch bei der Aussprache gibt es einen Unterschied zwischen Deutschland und Österreich und der Schweiz: In den beiden Alpenändern wird Advent meist mit [f] gesprochen. Mit d jedoch wird der Advent in keiner deutschsprachigen Nation geschrieben. (Foto: Christina Siever)

48/2019

Ideologie oder Idiologie?

Hilft das: Ideologie und Ideen?

Der alte Mann in Peter Bichsels Kurzgeschichte »Ein Tisch ist ein Tisch« hat keinen Namen, dafür eine aus der Alltäglichkeit erwachsene Form von Idiolalie – eine eigen(artig)e Sprache, die nur er verstehen kann, denn dem Bett sagte er eines Tages nicht mehr »Bett«, sondern »Bild«, dem Tisch »Teppich« und so weiter. Das erste Wortbildungselement idio- bedeutet ›eigen-(artig) oder sonder-(bar)‹ und würde damit eine vorzügliche Eselsbrücke für Ideologie abgeben, wenn dieses Wort nicht korrekt mit e zu schreiben wäre. Die nicht tragfähige Brücke ist aber nicht tragisch, denn das zum Verwechseln ähnliche ideo- bedeutet ›Idee, Begriff, Vorstellung‹ und liefert damit selbst auch eine schöne Brücke (ide[o] wie Idee), denn eine Ideologie umfasst eine ganze Menge Ideen und Vorstellungen/Begrifflichkeiten – wenn auch nicht die besten. Beide Konfixe sind übrigens seltene Instrumente: Am bekanntesten dürfte der Idiot sein, der etwas oder jemanden als ›eigen(artig) oder sonder(bar)‹ kennzeichnet; weniger bekannt dürfte der linguistische Terminus Idiom ›feste Wortfolge‹ oder das zumindest außerhalb der Schweiz nicht so geläufige Idiotikon sein: das Mundartwörterbuch des Schweizerdeutschen. (Foto: ElisaRiva)

47/2019

Der oder das Hashtag?

Sprechblase mit Hashtag und Herz sowie Ausschnitt des Instagram-Logos

Seit 2007 gibt es auf Twitter Hashtags, seit 2009 sind die Schlagworte, denen ein Rautezeichen vorangestellt ist, auch verlinkt und können entsprechend zur Suche resp. Filterung genutzt werden. Das Wort Hashtag ist ein Kompositum aus den englischen Wörtern hash für ›Rautezeichen‹ und tag für ›Strukturzeichen (ein sichtbares Zeichen zur Strukturierung eines Textes)‹. Seit 2017 steht Hashtag im Duden und dort kann man auch nachlesen, dass es sich dabei um ein Neutrum handelt. Schaut man allerdings in Korpora wie dem Wortschatz Uni Leipzig nach, stellt man schnell fest, dass in der Sprachpraxis das Wort zumeist als Maskulinum verwendet wird.

46/2019

Basler in Baselland

Wappen der Kantone Basel-Stadt und Baselland

Wer noch nicht auf der Basler Herbstmesse war und gerne noch hingehen möchte, hat dazu heute und morgen die letzte Gelegenheit. Basler Leckerli hingegen kann man das ganze Jahr über essen. Das indeklinable Adjektiv Basler wird in der Schweiz nur so verwendet, im restlichen deutschsprachigen Raum ist laut Duden jedoch auch die Variante Baseler zugelassen. Das gleiche gilt auch für die Einwohnerbezeichnung. Basler ist aber nicht gleich Basler: Die einen wohnen in Basel-Stadt, die anderen in Basel-Landschaft. Oft wird für Letzteres die Kurzform gewählt, doch Achtung: Hier kommt kein Bindestrich zur Anwendung, korrekt ist die Schreibweise Baselland. Übrigens hat das im norddeutschen Sprachraum verbreitete landschaftliche verbaseln für ›vergessen‹ oder ›verlieren‹ nichts mit Basel zu tun. Das Verb stammt aus dem mittelniederdeutschen vorbasen, das auf basen für ›unsinnig reden/handeln‹ zurückgeht. Wer jetzt beim Lesen dieses Tipps an die Basler Fasnacht gedacht hat, dem sei gesagt: Am 11.11. um 11 Uhr 11 ist zwar Fasnachtsbeginn, aber nicht in Basel, sondern nur in den vorwiegend katholischen Gegenden.

45/2019

»Als als« oder »denn als«?

Buntes Fragezeichen auf weißem Hintergrund

«Als Trainer ist man in einer anderen Position als als Spieler.» Als Sie diesen Satz gerade eben gelesen haben, sind Ihnen bestimmt die vielen «als» aufgefallen. Und vielleicht haben Sie sich auch gefragt, ob der Satz denn korrekt ist. Ist er das? Zumindest falsch ist «als als» nicht, doch in der gehobenen Sprache vermeidet man solch unschöne Doppelungen, weshalb es etwa auch nicht Zaubererin lautet, sondern Zauberin (Stichwort Haplologie). Für das erste «als» wird stattdessen das ansonsten als veraltet geltende «denn» verwendet: «Als Trainer ist man in einer anderen Position denn als Spieler.» Und was ist mit der folgenden Variante? «Als Trainer ist man in einer anderen Position wie als Spieler.» Auch wenn solche Varianten immer mal wieder in der Umgangssprache zu hören sind, sind sie standardsprachlich nicht korrekt.

44/2019

Vogel-Strauß-Politik

Vogel Strauß, Portraitaufnahme

Wenn jemand eine Gefahr nicht sehen oder wahrhaben will, wird dies »Vogel-Strauß-Politik« genannt. Dem Ausdruck liegt die falsche Annahme zugrunde, der Strauß stecke bei drohender Gefahr seinen Kopf in den Sand. Was die Schreibung betrifft, so greift hier die Regel, dass man bei Aneinanderreihungen zwischen die einzelnen Wörter (und auch Buchstaben, Ziffern, Abkürzungen) Bindestriche setzt: »Latte-macchiato-Glas«, »A-Dur-Tonleiter«, »400-m-Lauf« oder »ETH-Professor«.

43/2019

Börek, Salami, Mortadella

Europäische Speisekarte

Börek ist nicht nur in Deutschland beliebt. Das türkische Nationalgebäck ist auch auf dem Balkan (als Bourek, Burek, Byrek und griech. Pita/πίτα) weit verbreitet, wird aber nirgends mit ck geschrieben. Gefüllt wird die Spezialität mit Käse, Gemüse oder Fleisch – in muslimischen Regionen in der Regel natürlich nicht mit Schweinefleisch. Auf der nebenstehenden Speisekarte einer Schule wird auch Salami ohne Schweinefleisch angeboten (eigentlich natürlich großgeschrieben, Pute). Wer denkt: »Das geht doch nicht, das darf doch dann gar nicht mehr als Salami bezeichnet werden!«, hat nur zum Teil recht; zumindest muss (wie hier) vermerkt werden, wenn sie nicht aus Schwein und/oder Rind hergestellt wurde. Ursprünglich wurde für die Salami (ital. salame ›Salzwurst‹, das i kennzeichnet den Plural) jedoch gar kein Schwein verwendet, sondern Esel/Maultier. Bei Mortadella sieht es da schon schwieriger aus: Pute in Mortadella ist in den »Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse« nicht vorgesehen und würde die Italiener wohl auch nicht begeistern, aber man handelt hier gewissernaßen salamikonform durch Ausweisung (vom Standard) abweichender Zutaten.

42/2019

Fremdsprachig oder fremdsprachlich?

Frau mit Laptop vor einer Schultafel, auf der der Ausdruck "Hallo" in verschiedenen Sprach

Herbstferienzeit ist Reisezeit! Viele reisen noch einmal in den Süden, wo sie mit Fremdsprachen in Kontakt kommen. Vor Ort kann man fremdsprachige Zeitungen lesen oder fremdsprachige Filme schauen und die Fremdsprachenkompetenz verbessern. Fremdsprachig bedeutet ›sich in einer fremden Sprache bewegend‹ oder ›eine oder mehrere Sprachen sprechend, in einer oder mehreren Sprachen‹. Analog dazu gebildet sind die Adjektive einsprachig, mehrsprachig oder deutschsprachig. Fremdsprachlich dahingegen heißt ›eine fremde Sprache betreffend‹ oder auch ›zu einer fremden Sprache gehörend, daraus kommend‹. So gibt es fremdsprachlichen Unterricht und fremdsprachliche Wörter im Deutschen. Andere Adjektive, die auf -sprachlich enden, sind altsprachlich, umgangssprachlich oder schriftsprachlich.

41/2019

Von Koteletts und Koteletten

Das Kotelett – Ähnlichkeit mit dem Backenbart?

Offen gesagt: Wir würden das Kotelett am liebsten auch Kottlett schreiben – hat es doch ein kurzes, offenes O [ɔ] und ist damit prädestiniert für einen nachfolgenden Doppelkonsonanten. Da es aber von frz. côtelette, wörtlich ›Rippchen‹, entlehnt worden ist, will es von der Gemeinschaft offensichtlich noch herkunftsnah geschrieben werden, jedenfalls ist die Schreibung noch nicht vollständig an die deutsche Orthografie angepasst worden. Immerhin das K schien aber überzeugend, das sowohl für das zu bratende Fleischstück als auch für den Frisurstil angewendet wird (doch, doch: wegen seiner »Ähnlichkeit« mit einem Kotelette). Allerdings dürfte nicht allgemein bekannt sein, dass die Koteletten (hier nicht im Sinne des Fleischvielfachs, sondern in der liebevoll-erheiternden Bezeichnung Backenbart) nicht einheitlich benannt werden: Die einen sagen Backenbart, die anderen Wangenbart. Hier tobt ein Streit zwischen Medizinern und Sprachbewussten, ob die Gesichtspartie denn Backe oder Wange heißt – auch, um sie abzugrenzen: Die *Powange gibt es jedenfalls nicht. (Foto: RitaE))

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Noch mehr Tipps?

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