Wissen

Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

24/2019

Jacht oder Yacht?

Jachthaften bei Sonnenaufgang

»Mein Haus, mein Auto, mein Boot«: ein Klassiker der deutschen Werbegeschichte. Das Boot sollte dabei kein Fischerboot, sondern eher eine Jacht sein. Das Wort Jacht ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert bezeugt; es handelt sich um eine Kürzung aus dem älteren Jachtschiff, das auf das niederländische jacht in der Bedeutung ›Jagd‹ zurückgeht. Und wer jetzt schon die ganze Zeit gedacht hat, dass man Jacht doch mit Y schreibt, hat nicht ganz unrecht: Das englische yacht wurde ebenfalls aus dem Niederländischen entlehnt, allerdings wurde die Schreibweise angepasst. Über den englischen Einfluss kam sodann auch im Deutschen die Schreibung Yacht auf, die heute neben der vom Duden empfohlenen und an der Etymologie näher orientierten Schreibung Jacht ebenfalls korrekt ist.

23/2019

Silhouette

Silhouette zweier junger Menschen, die in die Luft springen, am Strand mit Abendsonne

Für die deutschen Ausdrücke Umriss(linie), Schattenriss oder Scherenschnitt gibt es ein Pendant, das aus dem Französischen entlehnt wurde: Silhouette. Die Schreibung wurde beibehalten, Siluette ist keine korrekte eingedeutschte Form. Das französische Wort wiederum geht auf den einstigen französischen Finanzminister Etienne de Silhouette (1709‒1767) zurück, der statt kostbarer Gemälde in seinem Schloss Scherenschnitte aufhängte. Aufgrund des Geizes, der dem Politiker nachgesagt wurde, hatte der Ausdruck zunächst eine negative Konnotation – man bezeichnete damit billige Kunst. Erst später etablierte sich Silhouette als Terminus für Hell-Dunkel-Konturen.

22/2019

Menno!

Männchen, das wütend oder verärgert ist

Während die Interjektionen Mann, Mannomann und Manometer vor allem Ausrufe des Erstaunens sind, ist menno! eher ein Ausruf der Verärgerung, Entrüstung oder Verzweiflung. Doch woher stammt eigentlich der Ausdruck? Das ist leider unbekannt … menno! Im Duden wird jedoch vermutet, dass es eine Kontamination von Mensch und Manno/Mannomann sein könnte. Im Wiktionary wird eine weitere Möglichkeit genannt: Danach entspreche der Ausdruck dem Französischen mais non ›aber nein‹, das nach dem Zweiten Weltkrieg in der französischen Besatzungszone in Deutschland überwiegend von Kindern aufgenommen und später verbreitet worden sei. Im Gegensatz zu den eingangs genannten Interjektionen jedoch wird menno stets kleingeschrieben, was eher fürs Wiktionary und damit für die Entlehnung aus dem Französischen spräche.

21/2019

Henri oder Henry

Auch ein Henry (mit y)

Mohammed ist in drei Bundesländern in den Top 10 der Vornamen vertreten. Nun hat es auch Henry geschafft – sogar in die Gesamtliste der am häufigsten vergebenen Vornamen aus dem Jahr 2018: Laut Datenbank der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) befindet sich Henry auf Platz 9 – oder Henri? Das Gute: Die Schreibung können sich die Eltern aussuchen, was sie auch immer häufiger tun. So steht Henry neben Henri und beide Schreibweisen werden für die Rangliste natürlich zusammengefasst. Wer die englische Variante des Namens bevorzugt, wählt die Schreibvariante mit y, daneben existiert aber auch die französische Schreibweise mit i. Beantragte Namen wie Champagna, Popo, Satan oder Gastritis (kein Scherz!) sind übrigens, egal in welcher Schreibung, unzulässig – zum Schutz des Kindes.

20/2019

Ausrufe des Erstaunens

Silhouette einer Person mit Megafon und weißen Ausrufezeichen

Das Deutsche kennt viele Ausrufe des Erstaunens. Die folgenden Interjektionen, die stilistisch alle als »salopp« einzuordnen sind, werden sämtlich großgeschrieben: Mann!, Mannomann!, Manometer! Manch einer mag nun sagen: »Mannomann, das ist doch unlogisch! Mann schreibt man mit Doppel-n, Manometer nicht?! Menno, ist das kompliziert!« Mann ist ein Ausruf des Staunens, des Erschreckens oder der Bewunderung ohne persönlichen Bezug, d. h., auch Frauen können es verwenden oder sich dadurch angesprochen fühlen: »Mann, hast du einen schicken Bikini!« Alternativ könnte man natürlich »Mensch, hast du einen schicken Bikini!« sagen, doch etymologisch betrachtet ist Mensch ebenfalls von Mann abgeleitet. Mannomann ist eine verstärkte Form davon – sie ist zusammengezogen aus »Mann, o Mann«. Auch Manometer ist sicherlich von Mann abgeleitet, doch unglücklicherweise wird mit demselben Wort auch ein Druckmesser für Gase und Flüssigkeiten bezeichnet, dessen Bezeichnung auf das griechische Wort manós für ›dünn, locker‹ zurückgeht; daher wird auch der Ausruf Manometer! nur mit einem n geschrieben. Mann, Mann, Mann!

19/2019

Mund-zu-Mund-Propaganda

viele Münder in Rot-Tönen mit Zähnen

Wer jemanden mündlich weiterempfiehlt, betreibt Mund-zu-Mund-Propaganda. Informationen werden im persönlichen Gespräch »von Mund zu Mund« weitergegeben, sodass sie nach kurzer Zeit »in aller Munde« sind. Mund-zu-Mund-Propaganda muss zwingend mit Bindestrichen geschrieben werden. Wem dies nicht zusagt, der kann auf die kürzere Form Mundpropaganda zurückgreifen, die dieselbe Bedeutung hat, oder auf die obige Paraphrase. Übrigens: In manchen anderen Sprachen heißt es ebenfalls »Mund-zu-Mund«, so im Spanischen (propaganda de boca en boca) oder im Niederländischen (mond-tot-mondreclame); im Französischen hingegen ist die Rede von »Mund-zu-Ohr« (bouche à oreille), was im ersten Moment logischer erscheint – aber eben auch nur im ersten (da es ja auch wieder vom entsprechenden Mund weitergetragen werden muss). Der Schritt des Ohrs muss bei »Mund-zu-Mund« also gedanklich ergänzt werden, zudem auch die empfehlenden »Worte«, die eben von Mund zu Mund gehen. Im Englischen und Italienischen ist dies jeweils realisiert: »word-of-mouth recommendation« bzw. »il passaparola«.

18/2019

Extase oder Ekstase?

bunte Pillen, gefüllt mit Bastelmaterial

Das aus dem Griechischen stammende Fremdwort »Ekstase« wird nicht wie Fremdwörter aus dem Lateinischen, die mit der Silbe »ex« beginnen, geschrieben. Die wörtliche Bedeutung des griechischen ékstasis lautet zwar ›Aus-sich-Heraustreten‹, d. h. von der Bedeutung her würde das lateinische »ex« für ›aus ... heraus‹ passen, aber der Ursprung des Wortes liegt im Griechischen, wo das Wort zudem die Bedeutung ›Begeisterung, Verzückung‹ hatte. Im Englischen heißt das Substantiv »ecstasy«, seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist dies zugleich die allgemeine Bezeichnung für die synthetische Droge. Auch dafür findet man öfters einmal wie auch bei »Extase« die falsche Schreibung »Extasy«.

17/2019

Loser oder Looser?

rotes Fragezeichen und blaues Ausrufezeichen, von Händen gehalten

Natürlich möchte niemand ein Loser sein. Das aus dem Englischen stammende Wort »Loser« bedeutet nämlich so viel wie Versager oder Verlierer. Und wer »Looser« schreibt, hat tatsächlich verloren: Der Laut /u:/ wird im Englischen meist mit »u« (»July« Juli) oder mit zwei »oo« (»spoon« Löffel) wiedergegeben. »Loser« gehört zu den seltenen Fällen, bei denen ein einfaches »o« für den genannten Laut steht. Im Deutschen haben sich neben dem Substantiv in der Umgangssprache auch die Verben »losen« und »ablosen« etabliert; nicht zu verwechseln mit dem Verb »losen«, das in Süddeutschland, in Österreich und der Schweiz so viel wie horchen oder zuhören bedeutet.

16/2019

Selbst oder selber?

Fragezeichen aus Blumen

»Mach es doch selbst!« – »Klar, ich mache doch immer alles selber!« Die Pronomen »selbst« und »selber« sind undeklinierbar. Während die Form »selbst« eher der Standardsprache oder der gehobenen Sprache angehört, wird die Form »selber« teilweise als umgangssprachlich eingestuft.
»Selbst« kann auch Bestandteil von Adjektivkomposita sein. Diese werden stets zusammengeschrieben: »selbstständig, selbstverständlich, selbstbewusst, selbstlos, selbstherrlich, selbstkritisch« etc. Wird »selbst« in Verbindung mit Verben verwenden, wird getrennt geschrieben: »selbst nähen, selbst backen, selbst kochen«. Zusammen mit einem adjektivisch gebrauchten Partizip ist sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung möglich: »selbst gebastelte / selbstgebastelte Geschenke« oder »selbst gebackenes / selbstgebackenes Brot«. Der Rechtschreibduden empfiehlt hier allerdings die Getrenntschreibung. Nur zusammen wird »selbstredend«, »selbstklebend« sowie »selbstentzündlich« geschrieben, da hier jeweils »von selbst« gemeint ist.

15/2019

Das Verb »gedeihen«: stark oder schwach?

Tulpen in allen Farben vor blauem Himmel mit Sonne

Endlich ist der Frühling da, alles wächst und gedeiht! Wenn wir zum Jahresende wehmütig auf die aktuelle Jahreszeit zurückblicken, denken wir bestimmt alle: »Wie schön damals alles wuchs und gedieh!« Und tatsächlich handelt es sich bei den Verben »wachsen« und »gedeihen« um starke Verben. Damit heißen die Verbformen im Präteritum »wuchs« und »gedieh« und nicht etwa »wachste« und »gedeihte«; die Partizipien lauten entsprechend »gewachsen« und »gediehen«.

++

Noch mehr Tipps?

Sie finden die deutsche Rechtschreibung so spannend? Prima, wir auch. Weitere Tipps der Woche finden Sie im Archiv.