Tipps: Wochen­rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

Tipp der WOCHE 7/2019

Die Krokus oder die Krokusse?

violette Krokusse vor kahlen Bäumen und blauem Himmel

Seit letzter Woche kann man sie wieder sehen: die zu den Schwertliliengewächsen gehörende Pflanze mit grasartigen Blättern und trichterförmigen violetten, gelben oder weißen Blüten, die auf feuchten Wiesen oder in Gärten wächst und im Vorfrühling blüht. Der Name »Krokus« stammt vom griechischen Wort »krókos« ab, das so viel wie >Safran< bedeutet. Die Singular-Genitivform lautet »des Krokus«, im Plural ist sowohl »die Krokus« als auch »die Krokusse« korrekt, wobei die letztgenannte Variante sich immer stärker durchgesetzt hat. So oder so können wir uns freuen, denn die Krokus oder auch die Krokusse kündigen den Frühling an!

Tipp der WOCHE 6/2019

Gelatine

Dessert – womöglich mit Gelatine

Winterzeit ist Backzeit. Für Sahnetorten oder Cremes wird oft Gelatine verwendet. Umgangssprachlich wird dann zwar eher nach »Gelantine« verlangt, doch wurde das Wort schon vereinzelt im 16. Jahrhundert aus lateinisch gelatina ›Gallertstoff‹ entlehnt, Anfang des 19. Jahrhunderts über französisch gélatine neu aus neulateinisch gelatina zu lateinisch gelatus ›gefroren, erstarrt‹. Das in der chemischen Industrie gebräuchliche Gel geht übrigens ebenfalls darauf zurück – es ist ein Kurzwort zu Gelatine. Damit verwenden wir Gelatine auch viel häufiger als gedacht: zum Beispiel bei einigen Haar- oder Duschgelen.

Tipp der WOCHE 5/2019

Schwankendes Genus: der oder die Abscheu?

Fragezeichen in einem dunklen Raum mit Graffiti

Der, die, das – wieso, weshalb, warum? Fast jedes Substantiv hat im Deutschen ein eindeutiges Genus, männlich, sächlich oder weiblich, eben: der, die, das. Bei manchen Wörtern ist ein Genus mit einer bestimmten Bedeutung verbunden, zum Beispiel »der Band« (›einzelnes Buch als Teil eines größeren Druckwerkes‹) vs. »das Band« (›Gewebestreifen zum Schmuck, zur Verstärkung, zum Zusammenhalten‹) oder »der Bauer« (›Landwirt‹) vs. »das Bauer« (›Vogelkäfig‹). Doch einige Substantive haben bei gleicher Bedeutung ein schwankendes Genus. So kann man der oder die Abscheu sagen, das gleiche gilt für der oder die Salbei und der oder die Wulst. Sowohl das männliche als auch das sächliche Genus ist bei den folgenden Substantiven korrekt: der oder das »Barock«, »Joghurt«, »Liter«, »Pflichtteil«, »Radar« und »Verhau«. Das Substantiv »Dschungel« konnte einst weiblich, sächlich oder männlich sein; mittlerweile hat sich vor allem »der Dschungel« etabliert, doch der Duden gibt als seltenere, aber korrekte Form auch »das Dschungel« an. Anders als bei »der Tunnel«, wo nur diese Variante mit dem Maskulinum standardsprachlich als korrekt gilt und die neutrale Nebenform »das Tunell« überwiegend in der Umgangssprache im Süden verwendet wird, sind bei den oben genannten Varianten immer beide standardsprachlich korrekt.

Tipp der WOCHE 4/2019

Ein Praktikum ... oder mehrere?

Praktikum mit Scrabble-Buchstaben

Menschen der »Generation Praktikum« müssen oft nicht nur ein Praktikum absolvieren, sondern gleich mehrere. Doch wie lautet eigentlich der Plural von »Praktikum«? »Praktikums« ist die Genitivform, aber keine korrekte Pluralform. Die neulateinische Bildung hat – analog zu Antibiotikum und Antibiotika – einen Plural auf -a. Wer also zur »Generation Praktikum« gehört, macht meist zwei oder mehr Praktika. Ab und zu begegnet man allerdings auch der falschen Pluralform »Praktikas«, die von der korrekten Pluralform abgeleitet worden ist und folglich eine doppelte Pluralmarkierung aufweist. Komposita, die »Praktikum« als Erstglied enthalten, haben in der Regel ein Fugen-s: Wer also einen Praktikumsplatz ergattert, muss am Ende meist einen Praktikumsbericht verfassen.

Tipp der WOCHE 3/2019

Aggression

zwei Tiger, die sich im Schneegestöber anbrüllen

Nur weil jemand »Agression« schreibt, muss man nicht gleich aggressiv werden! Der Fehler, dass »Aggression« nur mit einem »g« geschrieben wird, ist so häufig, dass man »Agression« sogar im Duden findet, allerdings mit dem Zusatz »falsche Schreibung für Aggression«. Im Deutschen ist die Schreibung mit doppeltem »g« ungewöhnlich, weshalb vermutlich oft nur ein »g« verwendet wird. Das Wort geht auf das lateinische »aggressio« (= Angriff) zurück, das wiederum geht auf »aggressum« zurück, das Partizip Perfekt von »aggredi« (= heranschreiten, angreifen). Das lateinische Verb ist eine Bildung aus »ad« (= heran, hinzu) und »gradi« (= schreiten, gehen). Durch sogenannte regressive Assimilation, d. h. der erste Laut gleicht sich dem zweiten Laut an, wurde dann eben »aggredi«, da sich das »d« dem »g« angeglichen hat und da das »a« in »gradi« wohl durch das »i« zu einem »e« angehoben wurde. Wer also aggressiv ist, greift jemanden an, sei dies körperlich oder verbal. Analog dazu werden auch die Substantive Aggressivität und Aggressor sowie das Adjektiv aggressiv geschrieben.

Tipp der WOCHE 2/2019

Sinfonie oder Symphonie?

Orchester von hinten, Geigenspieler

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Sinfonie und einer Symphonie? Es gibt keinen außer der unterschiedlichen Schreibung. Beide Schreibvarianten bezeichnen eine meist viersätzige, auf das Zusammenklingen des ganzen Orchesters hin angelegte Instrumentalkomposition in mehreren Sätzen. Das Wort stammt vom italienischen Ausdruck »sinfonia« ab, der wiederum geht auf das lateinische »symphonia« zurück, das vom griechischen Adjektiv »σύμφωνος« (sýmphonos = zusammentönend) abstammt. Wir sehen also, dass die beiden zugelassenen Schreibweisen im Deutschen einerseits auf den italienischen Ursprung hindeuten, andererseits auf den lateinischen. Die Entstehung der Sinfonie als Instrumentalkomposition ist übrigens musikhistorisch im 18. Jahrhundert einzuordnen.

Tipp der WOCHE 1/2018

Am Ende dieses Jahres oder diesen Jahres?

Feuerwerk in blau

Es ist so weit: Wir sind am Ende dieses Jahres angelangt! Oder gar am Ende diesen Jahres? Die Demonstrativpronomen »dieser«, »diese« und »dieses« werden im Normalfall stark flektiert. Folglich heißt die Form von Maskulina und Neutra im Genitiv Singular »dieses«. Korrekt ist also »am Ende dieses Jahres«. Bei wenigen Substantiven allerdings hat sich neben der starken Form auch die schwache Form etabliert, so eben bei »am Ende diesen Jahres« in Analogie zu »Anfang vorigen / nächsten Jahres«. Bei konservativen Sprachpflegern gilt allerdings nur die Variante »Ende dieses Jahres« als standardsprachlich korrekt. Egal, ob konservativ oder nicht: Wir wünschen allen Tipp-der-Woche-Leserinnen und -Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Tipp der WOCHE 52/2018

Heiligabend oder Heiliger Abend?

rote Christbaumkugeln mit weissem Tannenbaum

Heute haben wir Heiligabend! Der Abend des 24. Dezember kann sowohl als »Heiliger Abend« als auch kurz als »Heiligabend« bezeichnet werden. Die Schreibung »Heilig Abend«, der man ab und zu begegnet, ist allerdings nicht korrekt. Das Adjektiv »heilig« wird großgeschrieben, weil es Teil eines Eigennamens ist. Frohe Weihnachten! 🎄

Tipp der WOCHE 51/2018

Maßgebend/maßgeblich

viele weiße Fragezeichen auf einem Haufen und ein rotes Fragezeichen

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen »maßgebend« und »maßgeblich«? Die Bedeutung der beiden Adjektive ist identisch: ›das Handeln oder Urteilen bestimmend; entscheidend, wichtig‹. Meist sind sie deshalb austauschbar. Eine Bedeutungsnuance findet sich allerdings: »maßgebend« hat stärker verbalen Charakter (= das Maß gebend) und es ist ein Bezug zur Zukunft vorhanden hat (= richtungweisend). Wenn eine Person »maßgebend« an einer Sache beteiligt ist, bestimmt sie die weitere Entwicklung der Angelegenheit; wenn sie dahingegen »maßgeblich« beteiligt ist, ist sie in besonderer Weise bzw. in starkem Maße und damit entscheidend daran beteiligt.

Tipp der WOCHE 50/2018

Re­keln oder rä­keln?

schlafende Hunde auf einem Bett

Ach, wie wäre es schön, man könnte am Montagmorgen noch eine Weile im Bett liegen bleiben und mit Behagen den Körper recken und dehnen, sich noch ein wenig im Bett rekeln. Dieses umgangssprachliche Verb stammt von dem seit dem 17. Jahrhundert bezeugten niederdeutschen Substantiv »Rekel«, das so viel wie ›hoch aufgeschossener, schlaksiger junger Mann; Flegel‹ bedeutet. Dies wiederum geht auf das mittelniederdeutsche »Rekel« in der Bedeutung ›Bauernhund, Dorfköter‹ zurück. Neben der Schreibung »rekeln« ist zudem die Schreibung »räkeln« zugelassen. In der ersten Person Singular kann man sowohl die Form »ich rekle/räkle mich« als auch »ich rekele/räkele mich« verwenden. Aber jetzt ist Schluss mit Räkeln, die Arbeit ruft!

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Sie finden die deutsche Rechtschreibung so spannend? Prima, wir auch. Weitere Tipps der Woche finden Sie im Archiv.