Tipps: Wochen­rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

Tipp der WOCHE 33/2018

Es sei darauf hingewiesen ...

Haben weisen und weißen etwas miteinander zu tun? Und ob: Sie weisen in der 2. und 3. Person Singular eine übereinstimmende Lautung auf: Sie weist [darauf hin], er weißt [die Wand]. Der Infinitiv, also die Nennform im Wörterbuch, verrät hierbei, wie sich das Verb schreibt: er weißt also wegen weißen mit ß, sie weist wegen weisen mit s. Mit wissen haben allerdings beide Wörter nichts zu tun: Hier bekommt nur die 2. Person, nicht jedoch die 3. Person Singular ein t: du weißt, aber sie weiß. Schon deshalb ist eine Schreibung wie *Er weißt darauf hin, dass … ausgeschlossen – auch wenn der hinweisende Autor etwas weiß.

Tipp der WOCHE 32/2018

tagelang oder Tage lang?

Schon tagelang hält die extreme Hitze dieses Sommers an! Bei »tagelang« handelt es sich um ein Adjektivkompositum, das aus einem Nomen und einem Adjektiv besteht, es wird folglich klein- und zusammengeschrieben. Groß- und getrenntgeschrieben wird dahingegen, wenn das Adjektiv »lang« näher bestimmt wird, und zwar durch »Tag« und zusätzlich ein Adjektiv oder Zahlwort: »Die Nerven lagen zwei Tage lang blank« oder »Der Einbrecher wurde viele Tage lang gesucht«. Die Regel gilt natürlich auch für analoge Fälle wie »stundenlang«, »wochenlang«, »monatelang«, »jahrelang« und auch für »seitenlang«: »ein seitenlanger Bericht« oder »ein vier Seiten langer Bericht«.

Tipp der WOCHE 31/2018

A-Dur oder a-Moll?

Dur und Moll, die Bezeichnungen für die beiden Tongeschlechter, gibt es im Deutschen seit dem 16./17. Jahrhundert. Die Ausdrücke stammen von den lateinischen Adjektiven durus für ›hart‹ und mollus für ›weich‹ ab, weshalb man sie früher teilweise kleingeschrieben hat. Heutzutage können Dur und Moll als Substantive angesehen werden, weshalb sie auch großgeschrieben werden. Die Groß- oder Kleinschreibung einer bestimmten Tonart hängt wiederum vom Tongeschlecht ab: Alle Durtonarten werden mit einem großen, alle Molltonarten mit einem kleinen Buchstaben bezeichnet. Folglich heißt es auch in Komposita A-Dur-Tonleiter bzw. a-Moll-Tonleiter. Hier triumphiert also die Musik über die Orthografie.

Tipp der WOCHE 30/2018

»Weißt du, wie viel Sternlein stehen?«

»Weißt du, wie viel Sternlein stehen?«, so heißt es im bekannten Liedtext. Doch wie heißt es im weniger lyrischen Alltag? »Weißt du, wie viel Kartoffeln wir noch haben?« oder »Weißt du, wie viele Gurken wir noch haben?« Beides ist korrekt, im Plural kann sowohl die Form mit als auch ohne Flexionsendung verwendet werden – mit Ausnahme des Genitivs. Dort muss viel flektiert werden: »Wie vieler Beispiele mag es wohl bedürfen, um diese Regel zu erläutern?« Unabhängig vom Numerus wird wie viel immer getrennt geschrieben: »Wie viel(e) Personen wissen wohl, wie viel das kostet?«

Tipp der WOCHE 29/2018

Tiptop ist nicht tipptopp

Um es vorwegzunehmen: Es ist auch uns ein Rätsel! Aber beginnen wir vorne: Selbst in der Schweiz gilt tipptopp laut Duden als »umgangssprachlich« – und das, obwohl es dort viel gebräuchlicher ist als in Deutschland oder Österreich. Womöglich ist die Klassifizierung auch dafür verantwortlich, dass die Schreibung so außergewöhnlich ist. Denn nicht tiptop ist korrekt, sondern zwei Doppel-p, also tipptopp. Warum? ... Ja, warum eigentlich? In der Regel hilft ein Blick in die Geschichte (und zur Herkunft) weiter, doch da müssen wir Sie enttäuschen: Entlehnt ist das Wort aus dem Englischen, wo es tiptop geschrieben wird, denn top bedeutet ›höchst, oberst‹ und tip ›Spitze‹, also ›höchst spitze, tadellos‹. Und nun wird's richtig konfus: top wurde auch isoliert ins Deutsche entlehnt, mit einem p: Er ist top frisiert. Die Doppel-p-Schreibung muss folglich an tip liegen; doch hier gibt es im Deutschen nur den Tipp, der mit der Spitze nichts zu tun hat, sondern von engl. tip ›anstoßen, leicht berühren‹ kommt – es gibt ja auch schlechte Tipps. War das einer? Na, zumindest wissen Sie nun, wie man tipptopp schreibt – eben erstaunlicherweise nicht tiptop!

Tipp der WOCHE 28/2018

Bayerisch, bayrisch oder bairisch?

Bei vielen stehen die Sommerferien vor der Tür oder sie haben bereits begonnen. Warum also nicht nach Bayern fahren, in den Bayerischen Wald zum Beispiel? Dort kann man bayrische Trachten bewundern, den Bayerischen Rundfunk und somit den bairischen Dialekt hören. Bayerisch, bayrisch und bairisch in einem Satz? Das Adjektiv zu Bayern lautet »bayerisch« oder »bayrisch«. Die erstgenannte Variante wird in der Standardsprache und bei offiziellen Namen bevorzugt: die bayerische Regierung. Großgeschrieben wird das Adjektiv, wenn es Bestandteil eines geografischen Namens ist: »die Bayerischen Alpen«. »Bairisch« schließlich bezieht sich auf den Dialekt resp. die Sprache, die sowohl in Bayern als auch in Österreich gesprochen wird.

Tipp der WOCHE 27/2018

Einzigst ist einzig falsch

»Das einzigste, was die deutsche Nationalelf tun kann, ist nach Hause fahren.« Diesen Satz dürfte man nach dem Vorrunden-Aus in Russland zuhauf hören. Auch wenn man der Alternativlosigkeit besonderen Ausdruck verliehen möchte: Mit einem doppelten Superlativ ist dies zumindest nicht möglich. Zwar zeichnet Adjektive aus, dass sie steigerbar sind, doch ist dies bei einzig logisch ausgeschlossen, da sich eine Singularität nicht weiter reduzieren lässt. Damit ist einzigste zwar ausgeschlossen, nicht jedoch der Ausdruck der Verstärkung bzw. der von unendlicher Kleinheit – sagen Sie doch einfach »das einzig und alleinige«. Ebenfalls nicht möglich ist übrigens die Steigerung von Adjektiven mit best-/größst-. Auch hier ist der Superlativ schon enthalten (gut – besser – best(en)), was Formen wie *bestspielendst oder *größtmöglichst ausschließt.

Tipp der WOCHE 26/2018

Olé! ¡Olé! Allah!

Was hat der weltberühmte Ausruf olé denn bitte mit Allah zu tun? Aber stellen wir die Frage erst einmal zurück und sagen etwas über die unmittelbare Herkunft von olé: Das Wort haben wir direkt aus dem Spanischen übernommen. Es ist dort ein Ausruf bei sportlichen Veranstaltungen wie Stierkampf, Flamenco oder – natürlich – Fußball und bedeutet ›los!, auf!, hurra!‹. Insbesondere beim Fußball hat sich olé ein- oder mehrfach (olé – olé, olé, olé) als Standard bei Fußball-Fangesängen durchgesetzt. Den Akzent haben wir beibehalten – das für das Spanische typische umgedrehte Ausrufezeichen vor dem Ausruf nicht nur aufgrund seiner Exotik nicht – es gehört nicht zum Wort, sondern zur Interpunktion, die grundsätzlich nicht übernommen wird. Im Spanischen wird das principio de admiración bzw. de interrogación übrigens angewendet, um einen Ausrufe- oder Fragesatz einzuleiten; dies gibt wertvolle Hinweise auf die korrekte Aussprache (Intonation), da im Spanischen nicht über die Satzstellung klar ist, ob es sich um eine Aussage oder Frage handelt (puedo cantar). Und was hat es nun mit Allah auf sich? Im Großen Fremdwörterbuch (Duden) wird als Herkunft für das span. olé das arab. wa-'llāh(ɪ̲) ›bei Gott‹ angegeben. Dazu passt, dass auch das Arabische umgedrehte Satzzeichen kennt.

Tipp der WOCHE 25/2018

Public Viewing

Fußball auf Spielfeld, WM 2018 RusslandEndlich ist es soweit! Überall gibt es jetzt wieder öffentliche Liveübertragungen der Fußballspiele auf Großleinwänden im Freien! Wie nennt sich dies nochmal auf Neudeutsch? Genau: Public Viewing. Der Ausdruck hat sich im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als Neologismus in der deutschen Sprache etabliert und steht seit 2007 im Duden. Seit 2011 schließlich findet man dort ebenfalls das umgangssprachlich-saloppe Synonym Rudelgucken. Der stilistisch neutrale Ausdruck Public Viewing wird im Deutschen groß- und ohne Bindestrich geschrieben.

Tipp der WOCHE 24/2018

»Sané aus dem Kader geworfen!«

In Russland nicht am Ball/im Kader: SanéWar das eine Überraschung: Sané ist in Russland nicht dabei, er wurde »aus dem Kader geworfen«. So hieß es in jeder Meldung zu Joachim Löws Entscheidung in Bezug auf die Zusammenstellung der Nationalmannschaft für die WM 2018 in Russland. Doch wird das Wort wirklich so geschrieben oder nicht eher Cader oder Quader? Das Wort begegnet uns vor allem beim Militär (in der Bedeutung ›Kerntruppe‹) und beim Sport (›Stammspieler/-sportler‹) – stets mit der Kernbedeutung ›Auslese‹. Aus dem »Kader geworfen zu werden« ist also alles andere als erbaulich. Entlehnt haben wir Kader im 19. Jahrhundert aus dem Französischen, wo es cadre geschrieben wird (von lat. quadro ›viereckig‹) – was für die C-Schreibung sprechen würde, doch ist das Wort schon viel zu lange Bestandteil der deutschen Sprache, als dass es noch nicht von der deutschen Orthografie geschliffen worden wäre. Unschönes Aper­çu für Sané: Kader trägt auch die Bedeutung ›wichtige Person(en) in Partei, Politik und Wirtschaft‹ – und diese Bedeutung ist ausgerechnet aus dem Russischen entlehnt (kadr).

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