Tipps: Wochen­rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

Tipp der WOCHE 42/2018

Schiffschaukel oder Schiffsschaukel?

Jahrmarkt mit Schiffschaukeln

Herbst: Zeit für Ferien. Manche machen eine Schiffsreise, manche besuchen Freizeitparks mit Schiffschaukeln. Und manche fragen sich bestimmt, wann Komposita mit Schiff als Erstglied ein Fugen-s erhalten. In den meisten Fällen wird ein Fugen-s gesetzt, so beispielsweise in Schiffsarzt, Schiffsbesatzung, Schiffskatastrophe oder Schiffskoch. Ohne Fugen-s dahingegen sind Schiffbord, Schiffbruch und Schiffbrücke. Und dann gibt es zwei Komposita, bei denen beide Formen existieren: Der Ausdruck Schiffbau wird vor allem im Ingenieurwesen ohne Fugen-s verwendet, allgemeinsprachlich kommt auch Schiffsbau vor. Schiffschaukel wird meist ohne Fugen-s verwendet, die Form Schiffsschaukel ist allerdings auch korrekt.

Tipp der WOCHE 41/2018

Wohin setzt man eigentlich Kommata?

Kommafehler in Werbung

Das Komma ist ein Satzzeichen, doch wann und wohin wird es gesetzt? Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie ›Abschnitt‹ oder ›Einschnitt‹. Werden Kommata korrekt gesetzt, erleichtern sie das Lesen. Im Falle von falsch gesetzten oder fehlenden Kommata kann der Lesefluss allerdings erschwert oder die Bedeutung eines Satzes gar verfälscht werden. Das Komma ist also ein Gliederungszeichen, es grenzt bestimmte Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze voneinander ab. Kommata (auch »Kommas« ist korrekt) werden in den folgenden Fällen gesetzt: zur Abgrenzung von Nebensätzen, bei Aufzählungen, bei nachgestellten Zusätzen (Appositionen), bei Konjunktionen, bei Partizip- und Infinitivgruppen sowie bei Hervorhebungen, Ausrufen und Anreden. Genauer können die Kommaregeln übrigens im amtlichen Regelwerk nachgelesen werden, und zwar unter § 71 bis § 79. Ein Komma kann sogar Leben retten – im Folgenden bitte nicht weglassen: »Komm wir essen, Opi.« :-) Also: »Denk daran jedes, Mal kurz die Kommaregeln, nachzuschlagen wenn, du dir, unsicher bist!«

Tipp der WOCHE 40/2018

Dublette oder Duplikat?

Dolly: Dublikat oder Dublette?

Dublette oder Duplikat? Wenn Sie denken: Das sind doch keine Schreibvarianten!, dann haben Sie im Grunde Recht: Doublette und Duplikat sind nicht Bruder und Schwester, und doch ist Doublette eine Halbschwester. Die Wörter weisen unterschiedliche Bedeutungen auf, bedeuten aber auch (!) dasselbe: ›Doppel; Abschrift‹. Es sind also partiell Synonyme, die aus unterschiedlichen Sprachen kommen: Der in Österreich und der Schweiz noch üblichen Schreibung Doublette kann man noch besser als der Dublette ansehen, dass das Wort aus dem Französischen entlehnt ist (frz. doublet, zu double ›doppelt; Doppelgänger‹); am Duplikat lässt sich schwächer am -at ablesen, dass es aus dem Lateinischen kommt: von lat. duplicatum ›zweifältig, verdoppelt‹. Interessant ist nicht nur, dass es im Deutschen Lehnwort-Synonyme aus unterschiedlichen Quellsprachen gibt. Spannend ist hier vor allem, dass beide auf dieselbe Quellsprache zurückgehen: lat. duplus »doppelt« – bei der Dublette eben nur über einen französischen Umweg.

Tipp der WOCHE 39/2018

Internet-Telefone

Hand mit iPhone

Die Apple-Fans freut es: Ein neues Smartphone kommt auf den Markt! Das iPhone® XS! Das Registered-Trade-Mark-Symbol macht deutlich: Es handelt sich um einen Eigennamen mit Binnengroßschreibung. Eigennamen können durchaus gegen Orthografienormen verstoßen. Neben der Eigenschreibweise ist zudem »I-Phone« korrekt. Das »I« kann sowohl für »Internet« als auch für »Information« stehen, »Phone« ist das englische Wort für »Telefon«. Das iPhone® XS ist also zu Deutsch ein extra kleines Internet-Telefon? Nun ja, klingt nicht ganz so hip wie das englische Original. Und extra klein ist es natürlich auch nicht, denn XS hat nichts mit der kleinen Konfektionsgröße zu tun. Das X steht für die römische Zahl 10, das S ist unklar. Beim iPhone 3GS stand das S laut Apple für ›speed‹ (Geschwindigkeit), bei den Folgemodellen wurde die Kennzeichnung nicht mehr erläutert. Es wird vermutet, dass das S im Falle des iPhone® XS für die 3D-Touch-Bedienung steht.

Tipp der WOCHE 38/2018

Renekloden oder Reineclauden?

Reineclauden am Baum

Es ist Erntezeit, es gibt jetzt auch Edelpflaumen! Wer weiß, wie die Pflaumenart mit grünen Früchten genannt wird und weshalb? Richtig, »Reneklode«. Diese eingedeutschte Variante geht auf »Reineclaude« zurück, was auf Französisch »Königin Claude« heißt. Die Frucht ist also nach Claude de France (Claudia von Frankreich) benannt, der Ehefrau des französischen Königs Franz I. (1494–1547). Neben den beiden korrekten Varianten »Reneklode« und »Reineclaude« gibt es für diese Obstsorte auch den Ausdruck »Ringlotte«, der vor allem in Österreich verwendet wird. Im restlichen deutschsprachigen Raum gilt »Ringlotte« als landschaftlich.

Tipp der WOCHE 37/2018

Halligalli oder Hully-Gully?

Party mit Halligalli auch ohne Hully-Gully

Auch der Spätsommer bietet noch ausgezeichnete Optionen für eine gelungene Hochzeit oder andere größere Party mit Halligalli. Gemeint ist mit Halligalli (zumindest in der heutigen Zeit und dieser Schreibform) ein ›fröhliches, lärmendes Treiben‹, wie es der Duden umschreibt – und mit dem Stempel »umgangssprachlich« klassifiziert. Die Herkunft geht auf eine ähnliche Umgangsform zurück: einen Tanz. Der Hully-Gully ist ein Modetanz der Sechzigerjahre gewesen, der dem Twist ähnlich gewesen sein soll. Auch als Fahrgeschäft hat der Name Karriere gemacht (auch als »Disco Fever« bekannt), und sogar ein Liedtitel hat sich die Ehre gegeben – in der originalen, englischen Schreibweise Hully-Gully – von Udo Jürgens (1964). Beim beliebten Spiel Halli Galli hat man sich für die eingedeutschte Schreibvariante entschieden. Da es sich um einen Eigennamen handelt, ist in diesem Fall auch die Getrenntschreibung korrekt. Ob Tanz oder Stimmung (oder Songtitel): Hully-Gully ist immer erlaubt, die Halligalli-Stimmung nur in der der deutschen Orthografie angepassten Schreibung. Für die Großparty ist das gleich, unterscheiden kann man dennoch: Halligalli dank Hully-Gully!

Tipp der WOCHE 36/2018

Frittierte Kartoffel

Das nachgestellte Adj. frites wird kleingeschrieben

Obwohl »Pommes« zu den beliebtesten Beilagen (und vermutlich auch Hauptgerichten) gehören, besteht immer noch Unklarheit bei der Schreibung. Ob Biergarten, Imbissstand oder Systemgastronomie: Die Schreibung Pommes Frites ist nicht selten zu finden. Dabei ist die Regel einfach: Ein nachgestelltes Adj. wird im Regelfall – wie ein vorangestelltes auch – kleingeschrieben. Es muss also geschrieben werden: Pommes frites oder eben auch frittierte Pommes. Vermutlich liegt die Ursache der Falschschreibung in der nicht-nativen Wortform frites. Sie ist aus dem Französischen übernommen worden und ist eine Pluralform des Partizips Perfekt (frit) zu frire ›braten, backen‹ – es sind ja mehrere Kartoffelstäbchen. Die nachgestellten Adjektive sind auf deutschen Speisekarten nicht selten: Panna cotta, Hähnchen süß-sauer oder Fischfilet, sautiert. Aber Vorsicht: Bei Schnitzel Wiener Art wird Wiener großgeschrieben, weil Adjektive nicht-abgeleiteter Eigennamen (Wiener, Schweizer) großgeschrieben werden – anders: abgeleitete wie ungarische Art oder hannoverscher Butterkeks.

Tipp der WOCHE 35/2018

Kaffee oder Café?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen »Café« und »Kaffee«? Richtig: Man kann in einem Café Kaffee trinken, aber nicht umgekehrt. Mit dem Wort »Café« wird eine Lokalität bezeichnet, in dem man Kaffee und andere Getränke trinken und Kleinigkeiten wie Kuchen essen kann. Ebenfalls mit »C« wird »Cafeteria« geschrieben, das aus dem spanischen »cafetería« (Kaffeegeschäft) über das Englische entlehnt wurde. »Kaffee« dahingegehn bezeichnet neben dem Getränk auch die Kaffeepflanze und verweist auf Kaffeemahlzeiten. »Kaffee« kann übrigens sowohl auf der ersten als auch auf der zweiten Silbe betont werden.

Tipp der WOCHE 34/2018

oben genannt, obengenannt

Heißt es »oben erwähnt« oder »obenerwähnt«? Es kommt auf die Verwendung an: Wenn es als Adjektiv verwendet wird, kann getrennt oder zusammengeschrieben werden. So kann man vom »oben erwähnten Autor« oder von der »obenerwähnten Autorin« sprechen. Das gilt auch für »oben genannt/zitiert/stehend«: »Die oben genannte / obengenannte Wissenschaftlerin hat das oben zitierte / obenzitierte Buch scharf kritisiert.« Auch bei entsprechenden Substantivierungen hat man die Wahl zwischen Getrennt- oder Zusammenschreibung: »das Obenerwähnte / oben Erwähnte« oder »das Obengesagte / oben Gesagte«. Der Duden empfiehlt zwar hier die Zusammenschreibung, aber auch die Getrenntschreibung ist korrekt. Wenn aber »oben erwähnt« Teil des Prädikats ist, ist nur Getrenntschreibung möglich: »Wie bereits oben erwähnt [wurde], erntete das Buch starke Kritik.«

Tipp der WOCHE 33/2018

Es sei darauf hingewiesen ...

Haben weisen und weißen etwas miteinander zu tun? Und ob: Sie weisen in der 2. und 3. Person Singular eine übereinstimmende Lautung auf: Sie weist [darauf hin], er weißt [die Wand]. Der Infinitiv, also die Nennform im Wörterbuch, verrät hierbei, wie sich das Verb schreibt: er weißt also wegen weißen mit ß, sie weist wegen weisen mit s. Mit wissen haben allerdings beide Wörter nichts zu tun: Hier bekommt nur die 2. Person, nicht jedoch die 3. Person Singular ein t: du weißt, aber sie weiß. Schon deshalb ist eine Schreibung wie *Er weißt darauf hin, dass … ausgeschlossen – auch wenn der hinweisende Autor etwas weiß.

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