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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 20/2021

Take-away und Takeaway

Tafel mit einem Take-away-AngebotDie Corona-Inzidenzen sinken, die Gastronomie darf teilweise wieder öffnen, v. a. in den Außenbereichen erst einmal. Die besten Zeiten des Tekaway dürften also vorüber sein. Doch nicht alle möchten sich vielleicht – wie an manchen Orten gefordert – erst einmal negativ testen lassen, bevor sie ein Restaurant betreten können, weil sie bislang noch kein Impfangebot erhalten haben. Da ist man dann vielleicht doch froh um Take-away-Angebote. Im Anglizismenindex findet man unter take-away den Eintrag »(Speise) zum Mitnehmen«, im Duden dahingegen wird unter Take-away bzw. Takeaway das Imbisslokal oder Restaurant verstanden, in dem diese Speisen mitgenommen werden können. Interessant ist übrigens auch die phonetische Angabe im Duden: Während man take im Englischen als [ˈteɪk] ausspricht, findet man im Duden die Angabe [›te:k|əve:]. Die Schreibung Tekaway ist folglich zwar nicht der korrekten Orthografie, aber der im Duden angegebenen Lautung entsprechend. Den Bindestrich auf alle Fälle kann man im Deutschen nach Belieben mitnehmen oder eben auch nicht. (17. Mai 2021; Foto: Christina Siever)

KW 19/2021

Das mit den Sprechpausen

Frau mit Hund; mod.: T. SieverAlles wird gut. Nehmen wir exemplarisch die Sendung extra-3, die als Satire-Format besonderen Wert auf Gerechtigkeit legt und deshalb das Gendersternchen spricht, am 28.04.2021 in Minute 03:25 brav mit Hiat (Pause; Bürger'innen), was jedoch schon in Minute 03:44 und in 21:26 aufgegeben wird. Hier sind es nur noch »Ärztinnen« oder »Hundehalterinnen«, die das eine oder andere tun. Allerdings sind es dann in Minute 03:53 nur noch »Ärzte und Krankenhauspersonal« oder gar »der Hund« (22:07). Danach kommt »Frau Bürgermeister« – ja, die Diversität lässt sich ja auch persiflieren. Oder ist das sprachliche Diversität? So gesehen fehlte dann aber doch das Binnen-I – wie immer es zu artikulieren sei – sowie die x-Endung, die nicht nur die englische Sprachgemeinschaft für die Anrede mittels Mx für Menschen bereithält, die sich nicht in Schubladen einsortieren lassen. 07:33 dann übrigens »Berlinerinnen und Berliner«, d. h., diverse Personen sind nach der Sternchen-/Gap-X-Huldigung nicht mehr mitgemeint (oder sollen es dann wieder sein). Das benannte »Corona-Chaos« kartografiert die extra-3-Crew also mit einem Gendering-Chaos. War sonst noch was? Ach, ja … sagen tut nur das »Frauchen« (22:03) etwas – aber das mag ja sogar stimmen – und neben »man« tritt auch »frau« (25:31) und dann doch wieder »Sie als Politiker« (28:24) heute nicht mehr zurück. Ach so. (10. Mai 2021; Foto: Pexels)

KW 18/2021

Stress wegen -ess?

StewardessWenn wir an die englische Sprache denken, beneiden vermutlich nicht wenige die Sprachgemeinschaft, die sich kaum dem Thema Gender zuwendet, wenn man zumindest von der Diskussion um die Pronomen he, she, her, his sowie mankind und anderen Kleinigkeiten absieht. Alle -er-Wortbildungen nämlich, wie worker, ranger, jogger, werden anders als dt. Arbeiter, Aufpasser, Jogger locker als geschlechtlich unspezifisch betrachtet. Der Unterschied ist schneller erklärt als tatsächlich durchdrungen: Diese Personenbezeichnungen haben kein Genus – weshalb man nur die Artikel the und a benötigt. Allerdings dürften sich auch im englischen Raum nicht alle auf Dauer damit zufriedengeben, denn auch dort gibt es durchaus Marker, die ein Geschlecht festlegen: bei der einfachen mistress (Mrs.), hostess, stewardess oder usherette (›Gerichtsdienerin; Platzanweiserin‹, auf -ette) ebenso wie bei der blaublütigen dukess, baroness und princess. Selbst god ist abgeleitet worden (goddess), um zweifelsfrei eine Göttin bezeichnen zu können. Und das, obwohl der Artikel hier immer noch nicht das Geschlecht unterscheidet. So mag der eine oder die andere die kühne These belächeln, dass auch im Engl. alsbald heiß darüber diskutiert wird, ob nicht die -er-Endung doch eine Erweiterung wie -ess erfahren muss und ohnedies nicht eher männliche als andere Personen bei Wörtern wie officer assoziiert werden. Auch wenn ein Adelstitel, der marquess (von fr. marquis; weibl.: marchioness), der trotz -ess (das sich aber anders spricht: [kwɪs]) ein Mann sein kann, dieser These im Weg zu stehen scheint: Gegangen werden kann dieser dennoch.
Von der Zukunft in die Vergangenheit: Die -ess-Bildungen sind natürlich nicht nativ, sondern aus dem Französischen entlehnt worden (hier: -esse). Auch im Deutschen sind einige Ausdrücke gebräuchlich: Hostess etwa, für die übrigens eine männliche Variante fehlt. Dabei ist das Wort gar nicht so unscheinbar: Mit ihm sind weitere Wörter gebildet (gekreuzt) worden, vorzugsweise mit -esse: Politesse (aus Polizei + Hostess), Ero(s)tess(e) (mit Eros) oder Hospitesse (mit Hospital) – ursprünglich Berufe eher für Frauen, aber es gibt auch den Politeur. (03. Mai 2021; Foto: Sandra Tropp)

KW 17/2021

»Sonst wie« – wie sonst?

Apfel abweichend andersEs kommt nicht häufig vor, dass in verschiedenen Duden-Bänden ähnlichen Alters die Schreibung eines Wortes abweicht, wenn nicht gerade eine Rechtschreibreform dazwischen liegt. Im Fall von sonst wie allerdings wählt die Redaktion des Herkunftswörterbuchs die Zusammenschreibung (2014), die der anderen die Getrenntschreibung (GWDS 2012, Rs. 2020). Wie so oft steht diese Unsicherheit mit einer umgangssprachlichen Verwendung in Verbindung. Denn sonstwie oder sonst wie findet sich doch eher nicht in Buch und Presse. Entscheidungshilfe bietet ein Blick auf Parallelen: *sonsteiner mutet schon seltsam an, aber spätestens bei *sonstjemand entscheiden sich die meisten wohl für die Aufteilung: sonst wer/wie/was/wo(hin)/eine(r)/jemand. Während sonst wie ›in anderer/besonderer Weise‹ bedeutet, meint wie sonst etwas Gegensätzliches (›wie immer‹) und dürfte kaum falsch geschrieben werden. Wie sonst endet der Tipp nicht sonst wie: Sonst ist nicht generell umgangssprachlich und in dieser Bedeutung bereits seit dem 14. Jh. belegt: etwa in »Haben Sie sonst noch Fragen?« in der Bedeutung ›ansonsten‹. (26. April 2021; Foto: Gerd Altmann)

KW 16/2021

Pfusch am Werk

Kermit – oh-ohMit dem Frühling setzt auch wieder die Bautätigkeit ein und stereotypisch fällt da doch gleich das Idiom Pfusch am Bau auf die Zunge. Wie Murks im letzten Tipp kann Pfusch aber nicht nur auf das Arbeiten bezogen sein, sondern auch auf ein hergestelltes Produkt. Das zugrundeliegende Verb pfuschen geht wahrscheinlich auf die Interjektion futsch! zurück, die lautlich vermutlich ein Abbrennen oder Zerreißen nachahmt. Trotz seiner Herkunft sind die Schreibweisen verfuschen oder Fusch inkorrekt. Auf Basis des Verbs sind viele schöne Wörter entstanden: Der Pfuscher ist laut Duden die älteste Bildung (aus dem 16. Jh.) und sorgt durch seine Pfuscherei für Pfusch, das erst im 20. Jahrhundert aufgekommen ist. Bei allem Pfusch ist hoffentlich nicht der ganze Tipp verpfuscht – und falls doch (gemäß Foto): Schauen Sie heute mal nicht so genau hin, sagen Sie nur nicht »So’n Pfusch!«, sonst hören wir heute einfach mal nicht hin. ;-) (19. April 2021; Foto: Alexas_Fotos)

KW 15/2021

Alles, nur kein Murks

Pirat mit Messer (abmurksen)Mit Sicherheit stellte sich nicht erst im 19. Jahrhundert der Wunsch ein, eine schlecht ausgeführte Arbeit oder ein unzureichendes Produkt mit einer auffälligen Lautfolge zu bezeichnen. Das konkrete Wort Murks ist aber erst seither belegt. Wie im Fall der Geschwister Pfusch(erei), Hudelei und Gestümper handelt es sich um einen umgangssprachlichen Ausdruck, der allein aber auf das Verb murksen zurückgeht, das ›ungeschickt oder unordentlich arbeiten‹ bedeutet. Es entwickelte sich wohl aus neuhochdt. Murk ›Brocken; Krümel; Knirps‹ bzw. murken, was für ›zerdrücken, zerknittern, zerbrechen‹ gebraucht wurde. Diese Bedeutung geht schon in Richtung von niederdt. murk(s)en, das wir ebenfalls umgangssprachlich für ›töten‹ gebrauchen – dann jedoch meist mit Präfix: abmurksen. Mit Pfusch (als Wort) und seiner Bildungsfamilie beschäftigt sich der Tipp der nächsten Woche. (12. April 2021; Foto: Felix Lichtenfeld)

KW 14/2021

Osteria

TaverneNein, Ostern hat natürlich nichts mit dem Ausdruck Osteria zu tun, aber passend ist es dennoch, sich dieses Wortes zu Ostern anzunehmen. Denn mit dem Osterfest kommt das Fastenbrechen und mit diesem bekanntlich das Ende von 40 Tagen Entbehrung, die weder mit Beere noch mit Bär in Verbindung steht (von althochdt. inberan über mittelhochdt. enbern ›nicht tragen‹). Eine Osteria (von ital. oster ›Wirt‹) ist eine kleine Wirtschaft, in der vor allem Wein und kleine Speisen gereicht werden. Anders als im Ristorante steht nicht das Speisen, sondern – neben dem Wein – das Gesellige im Vordergrund. Daneben gibt es noch die Trattoria als kleine, familiäre Speisestätte mit kleiner Karte sowie die eher kleinen Pizzerien mit entsprechender Karte. Alle Gasthäuser haben ihre Betonung auf i und ihr Plural lässt sich (im Deutschen) mit -s oder -en ausdrücken. (05. April 2021; Foto: Valter Cirillo)

KW 13/2021

Rat rügt Hochschulen

Rat für deutsche Rechtschreibung (Logo)Der Rat für deutsche Rechtschreibung bekräftigt in seiner Sitzung und Pressemitteilung vom 26.03.2021 die Auffassung, dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll und sie sensibel angesprochen werden sollen. Dies sei allerdings eine gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen der Rechtschreibung gelöst werden könne. Vor diesem Hintergrund würde die Aufnahme von Asterisk (»Gender-Stern«), Unterstrich (»Gender-Gap«), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zeitpunkt nicht empfohlen. Begründet wird dies mit einer Kriterienliste, zu der etwa auch gehört, dass geschlechtergerechte Schreibung nicht das Erlernen der geschriebenen deutschen Sprache erschweren darf (Lernbarkeit). Rücksicht zu nehmen sei auch auf die mehr als 12 Prozent aller Erwachsenen mit geringer Literalität, die nicht in der Lage seien, auch nur einfache Texte zu lesen und zu schreiben.
Damit hat der Rat dem Vorstoß vor allem von Kommunen und Hochschulen eine Absage erteilt und deutlich gemacht, dass dies nicht dem Amtlichen Regelwerk entspricht. Eine eindeutige Rüge erteilte er den Hochschulen, die den Studierenden vorschreiben, vor allem den Gender-Stern zu verwenden: »Hochschulen und Lehrende haben die Freiheit des Studiums nicht nur bei der Wahl von Lehrveranstaltungen, sondern auch bei der Erarbeitung und Äußerung wissenschaftlicher Meinungen der Studierenden zu beachten und zu schützen.« (29. März 2021; Bild: Rat für deutsche Rechtschreibung)

KW 12/2021

Händeln oder handeln, händelbar oder handelbar?

Das umgangssprachliche Verb Handeln kann man mit Wertpapieren, man kann jedoch auch Probleme und Angelegenheiten handeln. Handelbar bedeutet also, dass Wertpapiere im Handel erhältlich sind. Doch es wird seit einiger Zeit auch in einer weiteren Bedeutung gebraucht: Wenn etwas handelbar ist, ist es so beschaffen, dass es sich gut handeln lässt. Handeln stammt in diesem Fall vom englischen to handle ab, zu Deutsch bedeutet dies ›bewältigen‹, ›handhaben‹ oder ›gebrauchen‹. Im Duden findet man den umgangssprachlichen Anglizismus unter »handeln« bzw. »händeln«, zumal die Lautung wie in der englischen Aussprache der Variante mit Umlaut entspricht. »Handelbar« oder »händelbar« im Sinne von »handhabbar« oder »bewältigbar« sucht man allerdings im Duden noch vergeblich, obwohl sich in der Sprache diverse Belege dafür finden lassen. (22. März 2021; Screenshot: Duden)

KW 11/2021

Lerche oder Lärche?

Lerche versus Lärche, Vogel und BaumLerche und Lärche sind Homofone, also Wörter, die gleich ausgesprochen werden, aber etwas anderes bedeuten. Es sind jedoch keine Homografen, d. h. die Schreibung unterscheidet sich. Doch wie kann man sich nun merken, welches Wort einen Vogel und welches einen Baum bezeichnet? Die Lärche ist ein Nadelbaum, über das a kann man sich also das ä merken. Die Lerche dahingegen bezeichnet einen Vogel, zudem bezeichnet man umgangssprachlich damit auch Frühaufsteher, die also frühmorgens ihr Bett verlassen. Wer es sich trotzdem nicht merken kann: Für das Spiel Teekesselchen kann man das Wortpaar dennoch prima verwenden! (15. März 2021; Foto: TheOtherKev und Kranich17)

KW 10/2021

Bleiben Sie gesund!

Porträt von Mona Lisa mit MaskeBleiben Sie gesund! ist zu einer bekannten Corona-Floskel geworden, man hört und liest diesen Imperativ tagtäglich. Doch was ist das für eine Grußformel? Ein nett gemeinter Wunsch im Sinne von Passen Sie gut auf sich auf!, oder wie man im Englischen sagt: Take care!? Rein sprachlich drückt der Imperativ einen Befehl oder auf jeden Fall eine Erwartung aus, der Ausdruck kann als Aufforderung und Ermahnung verstanden werden, etwa im Sinne von Halten Sie Abstand! Die Formel erinnert auch stark an die vor allem 2020 viel genutzte Floskel Bleiben Sie zu Hause! (oder aber hipper auf Englisch: Stay [at] home!), es wird also an die moralische Verpflichtung appelliert. Doch was ist mit Menschen, die zum Beispiel chronisch krank sind und weder gesund bleiben noch gesund werden können? Stigmatisiert man mit der Formel nicht auch Menschen, die trotz aller Vorsicht an COVID-19 erkranken? Wir sehen, rein von der Orthografie her ist hier nichts strittig, abgesehen davon vielleicht, dass das Pronomen der Höflichkeit gelegentlich fälschlicherweise kleingeschrieben wird. Vielmehr stellt sich die Frage nach dem semantischen Gehalt und dem Stil. Seien Sie also sprachkritisch und überlegen Sie es sich gut, ob Sie ihren Wunsch des Gesundbleibens nicht anders und individueller ausdrücken möchten, statt auf die Floskel zurückzugreifen. (08. März 2021; Illustration: sumanley)

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