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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

19/2019

Mund-zu-Mund-Propaganda

viele Münder in Rot-Tönen mit Zähnen

Wer jemanden mündlich weiterempfiehlt, betreibt Mund-zu-Mund-Propaganda. Informationen werden im persönlichen Gespräch »von Mund zu Mund« weitergegeben, sodass sie nach kurzer Zeit »in aller Munde« sind. Mund-zu-Mund-Propaganda muss zwingend mit Bindestrichen geschrieben werden. Wem dies nicht zusagt, der kann auf die kürzere Form Mundpropaganda zurückgreifen, die dieselbe Bedeutung hat, oder auf die obige Paraphrase. Übrigens: In manchen anderen Sprachen heißt es ebenfalls »Mund-zu-Mund«, so im Spanischen (propaganda de boca en boca) oder im Niederländischen (mond-tot-mondreclame); im Französischen hingegen ist die Rede von »Mund-zu-Ohr« (bouche à oreille), was im ersten Moment logischer erscheint – aber eben auch nur im ersten (da es ja auch wieder vom entsprechenden Mund weitergetragen werden muss). Der Schritt des Ohrs muss bei »Mund-zu-Mund« also gedanklich ergänzt werden, zudem auch die empfehlenden »Worte«, die eben von Mund zu Mund gehen. Im Englischen und Italienischen ist dies jeweils realisiert: »word-of-mouth recommendation« bzw. »il passaparola«.

18/2019

Extase oder Ekstase?

bunte Pillen, gefüllt mit Bastelmaterial

Das aus dem Griechischen stammende Fremdwort »Ekstase« wird nicht wie Fremdwörter aus dem Lateinischen, die mit der Silbe »ex« beginnen, geschrieben. Die wörtliche Bedeutung des griechischen ékstasis lautet zwar ›Aus-sich-Heraustreten‹, d. h. von der Bedeutung her würde das lateinische »ex« für ›aus ... heraus‹ passen, aber der Ursprung des Wortes liegt im Griechischen, wo das Wort zudem die Bedeutung ›Begeisterung, Verzückung‹ hatte. Im Englischen heißt das Substantiv »ecstasy«, seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist dies zugleich die allgemeine Bezeichnung für die synthetische Droge. Auch dafür findet man öfters einmal wie auch bei »Extase« die falsche Schreibung »Extasy«.

17/2019

Loser oder Looser?

rotes Fragezeichen und blaues Ausrufezeichen, von Händen gehalten

Natürlich möchte niemand ein Loser sein. Das aus dem Englischen stammende Wort »Loser« bedeutet nämlich so viel wie Versager oder Verlierer. Und wer »Looser« schreibt, hat tatsächlich verloren: Der Laut /u:/ wird im Englischen meist mit »u« (»July« Juli) oder mit zwei »oo« (»spoon« Löffel) wiedergegeben. »Loser« gehört zu den seltenen Fällen, bei denen ein einfaches »o« für den genannten Laut steht. Im Deutschen haben sich neben dem Substantiv in der Umgangssprache auch die Verben »losen« und »ablosen« etabliert; nicht zu verwechseln mit dem Verb »losen«, das in Süddeutschland, in Österreich und der Schweiz so viel wie horchen oder zuhören bedeutet.

16/2019

Selbst oder selber?

Fragezeichen aus Blumen

»Mach es doch selbst!« – »Klar, ich mache doch immer alles selber!« Die Pronomen »selbst« und »selber« sind undeklinierbar. Während die Form »selbst« eher der Standardsprache oder der gehobenen Sprache angehört, wird die Form »selber« teilweise als umgangssprachlich eingestuft.
»Selbst« kann auch Bestandteil von Adjektivkomposita sein. Diese werden stets zusammengeschrieben: »selbstständig, selbstverständlich, selbstbewusst, selbstlos, selbstherrlich, selbstkritisch« etc. Wird »selbst« in Verbindung mit Verben verwenden, wird getrennt geschrieben: »selbst nähen, selbst backen, selbst kochen«. Zusammen mit einem adjektivisch gebrauchten Partizip ist sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung möglich: »selbst gebastelte / selbstgebastelte Geschenke« oder »selbst gebackenes / selbstgebackenes Brot«. Der Rechtschreibduden empfiehlt hier allerdings die Getrenntschreibung. Nur zusammen wird »selbstredend«, »selbstklebend« sowie »selbstentzündlich« geschrieben, da hier jeweils »von selbst« gemeint ist.

15/2019

Das Verb »gedeihen«: stark oder schwach?

Tulpen in allen Farben vor blauem Himmel mit Sonne

Endlich ist der Frühling da, alles wächst und gedeiht! Wenn wir zum Jahresende wehmütig auf die aktuelle Jahreszeit zurückblicken, denken wir bestimmt alle: »Wie schön damals alles wuchs und gedieh!« Und tatsächlich handelt es sich bei den Verben »wachsen« und »gedeihen« um starke Verben. Damit heißen die Verbformen im Präteritum »wuchs« und »gedieh« und nicht etwa »wachste« und »gedeihte«; die Partizipien lauten entsprechend »gewachsen« und »gediehen«.

14/2019

Fake News, Fake-News, Fakenews

Landschaft mit Straßenschild mit der Aufschrift "Fake News"

Für Falschmeldungen, die im Internet und dort vor allem in den sogenannten sozialen Medien in manipulativer Absicht verbreitet werden, hat sich im Deutschen ein Anglizismus etabliert: »Fake News«. Eine Falschmeldung kommt selten allein, und so ist »Fake News« denn auch ein Pluraletantum, also ein Ausdruck, der nur im Plural gebräuchlich ist. Im Rechtschreibduden ist »Fake News« seit der 27. Auflage von 2017 verzeichnet; empfohlen wird dort die Schreibung »Fake News«, doch sind alternative korrekte Schreibungen »Fake-News« sowie »Fakenews«. Und das sind weder eine Fakenews, noch handelt es um einen Aprilscherz!

13/2019

Fakten: der Fakt oder das Fakt?

Lupe, das Wort "facts" nebeneinander auf blauem Hintergrund

In Zeiten der »Fake News« wird der Ruf nach Fakten laut. Doch wie lautet die Singular-Form von »Fakten«? Sowohl »Fakt« als auch »Faktum«. Während »das Faktum« stets neutral/sächlich ist, kann »Fakt« sowohl als Maskulinum (der Fakt) als auch als Neutrum (das Fakt) verwendet werden, wobei bei »Fakt« das Neutrum seltener ist. Von der Bedeutung her unterscheiden sich »Fakt« und »Faktum« nicht, beide bedeuten ›Tatsache‹ oder ›Ereignis‹. Das Fremdwort stellt eine Substantivierung des lateinischen »factum« (›gemacht, getan‹) im 16. Jahrhundert dar, die Form »Fakt« ist vom Englischen »fact« beeinflusst. Fakt ist, dass im deutschen Sprachraum die Kurzform zunächst unter Einfluss des Russischen in der DDR gebräuchlich war.

12/2019

Akupunktur

Figur auf einer Liege mit Akupunktur-Nadeln im Rücken

Bei der Akupunktur, derjenigen asiatischen Heilmethode also, bei der feine Nadeln unter die Haut gestochen werden, soll unter anderem umgangssprachlich der Akku wieder aufgeladen werden. Doch obwohl die Lebensenergie des Körpers wieder zum Fließen gebracht werden soll, hat das Wort nichts mit dem Akku(mulator) als Energiequelle zu tun. Akupunktur geht auf die lateinischen Wörter »acus« (›Nadel‹) und »punctura« (›Stechen; Stich‹) zurück. Das Wort ist mit »akut« verwandt, das wiederum auf »acutus« (›scharf; spitz‹) zurückgeht. Entsprechend wird sowohl »akut« als auch »Akupunktur« nur mir einem »k« geschrieben – der Energiespeicher »Akku« jedoch mit Doppel-Konsonant.

11/2019

Geleise oder Gleis?

Gleise der Bahn

Das Wort »Gleis« stammt vom Mittelhochdeutschen »geleis(e)« ab, wobei »leis(e)« Spur bedeutet. Im Althochdeutschen hieß es »(wagan)leisa«, also ›Wagenspur‹. Doch wie sagt man heute? Das Gleis oder das Geleise? Meist wird heutzutage die kürzere Form »Gleis« verwendet, doch auch »Geleise« ist korrekt. Wir haben es hier mit einer Frage der Varietät bzw. des Stils zu tun: In Österreich und der Schweiz ist »Geleise« neben »Gleis« eine gängige Variante, im übrigen deutschsprachigen Raum dahingegen gilt »Geleise« als gehoben.

10/2019

Sysiphusarbeit oder Sisyphusarbeit?

Sisyphus: Mann rollt Kugel den Berg hoch

In der griechischen Mythologie gab es einst einen armen Menschen, der dazu verdammt war, einen Felsblock einen steilen Berg hinaufzuwälzen, der kurz vor Erreichen des Gipfels immer wieder ins Tal zurückrollte. Wie war sein Name? Sysiphus oder Sisyphus? Sein Name wird so oft falsch geschrieben, dass »Sysiphus« als falsche Schreibung für »Sisyphus« in den Duden aufgenommen wurde! Nach Sisyphus ist die Sisyphusarbeit benannt, eine sinnlose Anstrengung, eine vergebliche Arbeit also. »Sisyphus« ist übrigens die latinisierte Form, der griechische Name lautete natürlich Sisyphos.

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