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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 3/2020

Subsumieren und aufsummieren

bunte Fragezeichen auf grünem GrundDie beiden Verben aufsummieren und subsumieren klingen ganz ähnlich und haben auch viel miteinander zu tun, aber warum schreibt man das eine Wort mit einem Doppelkonsonanten, das andere nicht? Beide Wörter sind lateinischen Ursprungs, doch während aufsummieren im Sinne von ›Werte (zu einer bestimmten Summe) addieren‹ auf das lateinische Wort summa für ›Gesamtheit, Summe‹ zurückgeht, liegt dem Ausdruck subsumieren das lateinische Verb sumere, das ›nehmen‹ bedeutet, zugrunde. Subsumieren bedeutet dann entsprechend auch ›ein- oder unterordnen‹ – man nimmt also etwas und ordnet es unter einer Kategorie ein. (13. Januar 2020; Foto: geralt)

KW 2/2020

Eiffelturm

Eiffelturm in ParisWenn Sie zu den Reiselustigen gehören und Silvester statt an Ihrem Heimatort in einer Metropole verbracht haben, waren Sie womöglich in der Stadt des Eiffelturms. Und wenn Sie hierfür die korrekte Schreibung Eiffelturm kennen, ist dies schon ausgezeichnet. Wenn Sie allerdings auch wissen, dass der Name des Turms durchaus eine Verbindung zur Eifel als Mittelgebirgsregion und den damit umgebenden (eher beschaulichen) Städten Aachen, Koblenz und Trier aufweist, ist das hervorragend! Denn letztlich geht die Schreibung auf den Erbauer Alexandre Gustave Eiffel zurück, der als Sohn des in der deutschen Eifel lebenden Leo Heinrich Bönickhausen im 17. Jahrhundert sein Glück in Frankreich gesucht hat. Da dt. ['aɪ̯fəl] frz. [ɛ'fɛl] ausgesprochen wird und der Erbauer natürlich in französischer Sprache geehrt wird (der Turm heißt schließlich la Tour Eiffel), handelt es sich nicht um den Eifel-, sondern um den Eiffelturm – die einzig gültige Schreibung im Deutschen wie im Französischen. (06. Januar 2020; Foto: skeeze)

KW 1/2020

Silvester – Zeit für einen letzten/ersten Schwips

Beschipst-p: nur doppelt sehen oder auch doppelt schreiben?Für die Zustände von Gästen verschwenderischer Silvesterpartys gibt es viele Ausdrücke. Zwar dürfte zu fortgeschrittener Zeit auch die Gleichgültigkeit bezüglich einer geeigneten Bezeichnung und Schreibung zunehmen. Sollte man aber sichergehen wollen (sicher gehen stellt dann eine ganz andere Anforderung dar), dass man das Wort nicht nur aussprechen, sondern auch schreiben kann, sollte man lieber auf Ausdrücke wie berauscht, duselig, angezwitschert oder betütert zurückgreifen – und die Finger von beschwipst/beschwippst lassen. Umgangssprachlich sind sie fast alle; das Problem ist vielmehr das p. Denn laut Duden wird das Wort mit nur einem p geschrieben, obwohl ja einiges für ein zweifaches p spricht: der Kurzvokal etwa oder der angenommene Weg von schwappen (ein Lautwort für ein klatschendes Geräusch von Flüssigkeiten) über schwippen zu beschwipst und Schwips. Bei nüchterner Betrachtung dürfte in Betracht gezogen werden, ob die Schreibung hier nicht korrigiert werden sollte, denn auch der Schwippschwager wird mit Doppel-p geschrieben – nicht nur gesehen. Prost Neujahr! (30. Dezember 2019; Foto: Free-Photos)

KW 52/2019

Christ-, Berg- und andere Stollen

Der Pfosten der WeihnachtszeitWer hat sich nicht schon gefragt, wo das Wort für die süße Sünde zur Weihnachtszeit eigentlich herkommt und ob es womöglich tatsächlich mit dem waagerechten Gang der Bergleute in Verbindung steht? Und tatsächlich ist schon im Althochdeutschen das Wort stollo ›Pfosten‹ bekannt, das sich über mittelhochdeutsch stolle zum heutigen Stollen entwickelt hat. Und genau darum darf man die Köstlichkeit auch [die] Stolle nennen. – Auch wenn dies nun so gar nicht zur Weihnachtszeit zu passen scheint: Zum Stollen beim Fußball gibt es ebenfalls eine Verbindung, denn Bergwerksgang wie Fußballschuh haben gemeinsam, dass man sie mit ›Pfosten‹ sichert. Während die einen Stollen allerdings beim Abtragen von Pfunden helfen, sichern die anderen genau das Gegenteil. Man sollte sich also nicht zu sehr auf den waagerechten Bergwerksstollen stürzen, sondern auch mal zur Stulle greifen, die damit in Verbindung gebracht wird. Nein? Richtig, warum sollte man sich ausgerechnet diesen Monat dafür aussuchen: Jetzt der Stollen, später das derbe Stück Brot. Ein frohes Fest mit Stollen, Plätzchen, Guetzli, Kipfeln/Gipfeln und anderen regionalen Leckereien wünscht Ihnen Ihre correctura! (23. Dezember 2019; Foto: kakuko)

KW 51/2019

Kumulus gegen Sonnenwende: 1m:2n

kumulierte Wolken - nicht kummuliertSolstitium – das muss sich nun wirklich niemand merken (auch wenn Lateinern sol und sistere ›stillstehen‹ bekannt sein könnte). Aber die Übertragung Sonnenwende sollte jedem bekannt sein – je nach Jahreszeit ein Grund für Hochgefühle! Interessant ist aber weniger das Wort, das nicht nur zu Mittsommer in Schweden, sondern auch zu Weihnachten auf der ganzen Welt gefeiert wird, sondern der Zeitpunkt. Ab dem 21.12. nimmt das Helligkeitspotenzial der Tage wieder zu – wie dezent angedeutet aber nur grundsätzlich. Wenn da nicht die Wolken wären … Eine spezifische Gattung ist die Kumuluswolke, die man gern akzentuiert (und wegen des kurzen Vokals) mit zwei ⟨mm⟩ schreiben würde – in diesem Falls leider jedoch falsch. Kumulus kommt wie der Akkumulator von lat. cumulare, was nach so langer Zeit immer noch mit einem ⟨m⟩ geschrieben wird. So wird auch das Anhäufen von Wolken oder Mitsommerfesten nur mit einem ⟨m⟩ geschrieben (kumuliertes Meckern oder Feiern) – auch wenn hier semantisch ein Doppel- oder Dreifach-m ausgezeichnet passen würde! Wie schön, dass wir für den Akkumulator eine Kurzform entwickelt haben, die dann aber auch wieder nicht als Eselsbrücke taugt ... Sonnewende wie Feiertage taugen aber hervorragend, den eigenen Akku wieder aufzuladen. (16. Dezember 2019; Foto: abubibolabu)

KW 50/2019

Komma bei formelhaften Auslassungssätzen

FotobeweisKommata bereiten immer wieder Kopfzerbrechen. Wird eins gesetzt? Und wenn ja: wo? Formelhafte Auslassungssätze müssen nicht mit Komma abgetrennt werden, dürfen es aber: »Die Lesung findet wie angekündigt morgen Abend um 19.30 Uhr statt.« Vor allem bei unvollständigen Nebensätzen, die mit »wie« eingeleitet werden, kann das Komma weggelassen werden: »Wie bereits erwähnt muss hier kein Komma stehen.« Gerade aber, wenn ein solcher Nebensatz länger ist, macht ein Komma den Satz durchaus lesbarer: »Wie bereits im Kapitel 3 unter dem Stichwort ›Kommasetzung‹ erläutert, muss bei formelhaften Auslassungssätzen kein Komma stehen.« (09. Dezember 2019; Foto: geralt)

KW 49/2019

»Advendskalender«

Schild mit der Beschriftung Endlich ist sie da: die Adventszeit! Die Kinder (und auch manche Erwachsene) haben sich schon lange auf ihren Adventskalender gefreut! Die Adventszeit ist die Zeit der Ankunft Christi, also die Zeit, in der man auf Weihnachten und die Geburt Christi wartet. Das Wort Advent geht auf lateinisch adventus zurück, was so viel wie ›Ankunft‹ bedeutet. Zusammensetzungen mit Advent werden üblicherweise mit einem Fugen-s gebildet: Adventskranz. In Österreich allerdings verzichtet man darauf, dort heißt es Adventkranz oder Adventkalender. Auch bei der Aussprache gibt es einen Unterschied zwischen Deutschland und Österreich und der Schweiz: In den beiden Alpenändern wird Advent meist mit [f] gesprochen. Mit d jedoch wird der Advent in keiner deutschsprachigen Nation geschrieben. (02. Dezember 2019; Foto: Christina Siever)

KW 48/2019

Ideologie oder Idiologie?

Logik und Kreativität im HirnDer alte Mann in Peter Bichsels Kurzgeschichte »Ein Tisch ist ein Tisch« hat keinen Namen, dafür eine aus der Alltäglichkeit erwachsene Form von Idiolalie – eine eigen(artig)e Sprache, die nur er verstehen kann, denn dem Bett sagte er eines Tages nicht mehr »Bett«, sondern »Bild«, dem Tisch »Teppich« und so weiter. Das erste Wortbildungselement idio- bedeutet ›eigen-(artig) oder sonder-(bar)‹ und würde damit eine vorzügliche Eselsbrücke für Ideologie abgeben, wenn dieses Wort nicht korrekt mit e zu schreiben wäre. Die nicht tragfähige Brücke ist aber nicht tragisch, denn das zum Verwechseln ähnliche ideo- bedeutet ›Idee, Begriff, Vorstellung‹ und liefert damit selbst auch eine schöne Brücke (ide[o] wie Idee), denn eine Ideologie umfasst eine ganze Menge Ideen und Vorstellungen/Begrifflichkeiten – wenn auch nicht die besten. Beide Konfixe sind übrigens seltene Instrumente: Am bekanntesten dürfte der Idiot sein, der etwas oder jemanden als ›eigen(artig) oder sonder(bar)‹ kennzeichnet; weniger bekannt dürfte der linguistische Terminus Idiom ›feste Wortfolge‹ oder das zumindest außerhalb der Schweiz nicht so geläufige Idiotikon sein: das Mundartwörterbuch des Schweizerdeutschen. (25. November 2019; Foto: ElisaRiva)

KW 47/2019

Der oder das Hashtag?

Sprechblase mit Hashtag und Herz sowie Ausschnitt des Instagram-LogosSeit 2007 gibt es auf Twitter Hashtags, seit 2009 sind die Schlagworte, denen ein Rautezeichen vorangestellt ist, auch verlinkt und können entsprechend zur Suche resp. Filterung genutzt werden. Das Wort Hashtag ist ein Kompositum aus den englischen Wörtern hash für ›Rautezeichen‹ und tag für ›Strukturzeichen (ein sichtbares Zeichen zur Strukturierung eines Textes)‹. Seit 2017 steht Hashtag im Duden und dort kann man auch nachlesen, dass es sich dabei um ein Neutrum handelt. Schaut man allerdings in Korpora wie dem Wortschatz Uni Leipzig nach, stellt man schnell fest, dass in der Sprachpraxis das Wort zumeist als Maskulinum verwendet wird. (18. November 2019; Foto: Ariapsa)

KW 46/2019

Basler in Baselland

Wappen der Kantone Basel-Stadt und BasellandWer noch nicht auf der Basler Herbstmesse war und gerne noch hingehen möchte, hat dazu heute und morgen die letzte Gelegenheit. Basler Leckerli hingegen kann man das ganze Jahr über essen. Das indeklinable Adjektiv Basler wird in der Schweiz nur so verwendet, im restlichen deutschsprachigen Raum ist laut Duden jedoch auch die Variante Baseler zugelassen. Das gleiche gilt auch für die Einwohnerbezeichnung. Basler ist aber nicht gleich Basler: Die einen wohnen in Basel-Stadt, die anderen in Basel-Landschaft. Oft wird für Letzteres die Kurzform gewählt, doch Achtung: Hier kommt kein Bindestrich zur Anwendung, korrekt ist die Schreibweise Baselland. Übrigens hat das im norddeutschen Sprachraum verbreitete landschaftliche verbaseln für ›vergessen‹ oder ›verlieren‹ nichts mit Basel zu tun. Das Verb stammt aus dem mittelniederdeutschen vorbasen, das auf basen für ›unsinnig reden/handeln‹ zurückgeht. Wer jetzt beim Lesen dieses Tipps an die Basler Fasnacht gedacht hat, dem sei gesagt: Am 11.11. um 11 Uhr 11 ist zwar Fasnachtsbeginn, aber nicht in Basel, sondern nur in den vorwiegend katholischen Gegenden. (11. November 2019)

KW 45/2019

»Als als« oder »denn als«?

Fotobeweis«Als Trainer ist man in einer anderen Position als als Spieler.» Als Sie diesen Satz gerade eben gelesen haben, sind Ihnen bestimmt die vielen «als» aufgefallen. Und vielleicht haben Sie sich auch gefragt, ob der Satz denn korrekt ist. Ist er das? Zumindest falsch ist «als als» nicht, doch in der gehobenen Sprache vermeidet man solch unschöne Doppelungen, weshalb es etwa auch nicht Zaubererin lautet, sondern Zauberin (Stichwort Haplologie). Für das erste «als» wird stattdessen das ansonsten als veraltet geltende «denn» verwendet: «Als Trainer ist man in einer anderen Position denn als Spieler.» Und was ist mit der folgenden Variante? «Als Trainer ist man in einer anderen Position wie als Spieler.» Auch wenn solche Varianten immer mal wieder in der Umgangssprache zu hören sind, sind sie standardsprachlich nicht korrekt. (04. November 2019)

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