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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 2/2017

codieren und decodieren

FotobeweisWer auf Nummer sicher gehen will, verschickt seine Nachrichten verschlüsselt. Eine Form der Verschlüsselung ist die Codierung von Texten, d. h. eine Nachricht wird mithilfe eines geheimen Codes verschlüsselt. Die Decodierung ist nur mit dem entsprechenden Code möglich. Daneben gibt es auch andere Codes wie ASCII (American Standard Code for Information Interchange), den Unicode oder den Morsecode, die keine Verschlüsselung zum Ziel haben, sondern Systeme verabredeter Zeichen darstellen. In der Fachsprache wird bei »codieren«, »decodieren« und »Code« stets die Schreibung mit »c« verwendet, die auch vom Duden präferiert wird. Daneben ist aber auch die Schreibung mit »k« zulässig: »kodieren«, »dekodieren« und »Kode«. Wie immer gilt auch hier: In einem Text sollte man sich für eine Schreibvariante entscheiden und diese dann konsequent verwenden. (09. Januar 2017)

KW 1/2017

Wie nennt und schreibt man das?

FotobeweisStarten wir im neuen Jahr gleich mit einer schwierigen Frage: Wie nennt man ein aus dem Dach herausgebautes Fenster? Und wie wird es geschrieben?

Richtig, es ist eine Gaube! Das Wort stammt vom spätmittelhochdeutschen Wort »gupe« ab, das ›Erker‹ bedeutet, und geht wahrscheinlich auf das mittelhochdeutsche »gupf(e)« zurück, das die Bedeutung ›Spitze‹ oder ›Gipfel‹ trägt. Neben der Schreibweise »Gaube« ist – vermutlich aufgrund der Wortherkunft – auch die Variante »Gaupe« zugelassen. (02. Januar 2017)

KW 52/2016

wievielt

FotobeweisDer wievielte Tipp ist das eigentlich in diesem Jahr? Richtig, der 52. und somit letzte Tipp dieses Jahres! Das Adjektiv »wievielt« wurde in Analogie zu den Ordinalzahlen gebildet und wird zusammengeschrieben. Auch substantiviert kann das Adjektiv verwendet werden und wird dann natürlich großgeschrieben: »Der Wievielte (= wievielte Tag des Monats) ist heute?« — Ist für dieses Jahr wirklich Schluss? Keine Sorge: Heute ist nicht alle Tage; wir kommen wieder, keine Frage! (26. Dezember 2016)

KW 51/2016

Weihnachten Lachs und lax

Festlichtkeit, Feinkost und Laxheit. Die Weihnachtstage bieten dafür ausreichend Gelegenheit. Mit den Phrasen sich lax geben und Lachs essen wäre damit auch schon der Tipp der Woche erstellt. Wenn das Wort lax nicht so auffallend falsch aussähe. Vor allem der Dax scheint vergleichbar, doch handelt es sich hierbei um ein Kurzwort, das seine Buchstaben aus der Vollform Deutscher AktienindeX (daher auch die Schreibweise DAX) erhalten hat. Bei lax hingegen handelt es sich um ein Lehnwort aus dem Lateinischen: laxus ›lässig, unbekümmert‹. Hier (im Lateinischen) wurde das X auch nicht als fremd wahrgenommen, was eine kleine Auswahl an Wörtern wie rex, fux, pax, felix, ex oder sex belegt. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten mit Lachs und laxer Haltung. (19. Dezember 2016)

KW 50/2016

»deplaziert« ist (orthographisch gesehen) »deplatziert«

Wenn man sich denkt: Dieser Kommentar war jetzt völlig deplatziert!, so meint man damit ›unangebracht, fehl am Platz‹. Wenn man diesen Gedanken aufschreiben möchte, bezieht man sich mit »deplatziert« natürlich auch auf das Wort »Platz« – so lässt sich die Schreibweise erinnern. Neben dieser ist weiterhin die französische Schreibung »deplaciert« gestattet, denn über das frz. Wort »déplacé« ist das Adjektiv entlehnt worden, sie gilt aber tendenziell als veraltet. Die bis zur Rechtschreibreform von 1996 korrekte Schreibung »deplaziert« gilt heute als falsch. (12. Dezember 2016)

KW 49/2016

Danke schön, danke schön!

Wir möchten heute allen fleißigen Tipp-Lesern einmal Danke schön sagen und freuen uns, wenn die Tipps ankommen! – Wenn man jemandem »danke schön« sagt, schreibt man das auf alle Fälle getrennt, laut Duden kann man »Danke« sowohl groß- als auch kleinschreiben, wobei die Großschreibung präferiert wird. Wird die Formel jedoch substantiviert, das Dankeschön also, so schreibt man sie zusammen: Ein herzliches Dankeschön all unseren treuen Tipp-Fans! (05. Dezember 2016)

KW 48/2016

vis-à-vis

Die Bushaltestelle ist gleich gegenüber dem Bahnhof, oder wie man auch – ans Französische angelehnt – sagen kann: vis-à-vis. Laut Duden ist neben dieser präferierten Variante auch die Schreibung ohne Akzentzeichen korrekt: »vis-a-vis«. Wie aber wird die substantivierte Form geschrieben, das Pendant zum Deutschen »Gegenüber«, das übrigens in Anlehnung an das Französische vis-à-vis anfangs des 19. Jahrhunderts gebildet wurde? Groß natürlich, aber korrekt nur ohne Bindestriche: »das Visavis«. (28. November 2016)

KW 47/2016

PS: Postskriptum

FotobeweisEigentlich könnte man meinen, dass Postskripta der Vergangenheit angehören müssten, da in Zeiten der digitalen Texterstellung problemlos nachträglich Sätze eingefügt werden können. Und doch wird das Postskriptum nach wie vor verwendet, und zwar zur besonderen Hervorhebung von Dingen oder wenn man noch etwas erwähnen möchte, das mit dem eigentlichen Thema des Textes nichts zu tun hat (neudeutsch off-topic).
Die Abkürzung PS enthält weder Abkürzungspunkte noch Leerzeichen; wahlweise kann aber dem PS noch ein Doppelpunkt nachgestellt werden. PS: Die Form Postskriptum wird am Brief- bzw. E-Mail-Ende praktisch nie ausgeschrieben. PPS: Wer mehrere Postskripta verwendet, setzt für jedes weitere ein »P« davor. (21. November 2016)

KW 46/2016

Leerzeichen setzen!

Zwischen zwei Wörtern – das weiß jeder – werden Leerzeichen, auch Spatien genannt, gesetzt. Das war nicht immer so: Die das Lesen erleichternde Worttrennung wurde erst im Mittelalter eingeführt, davorschriebmanquasiohneLeerzeichenPunktundKomma, in der sogenannten »scriptura continua«. Zwischen Wörtern und Sätzen werden Leerzeichen gesetzt, die einen Zeilenumbruch erlauben. Doch bei zusammengehörenden Texteinheiten wie Abkürzungen (u. a., z. B.), großen Zahlen (Tausendertrennzeichen: 396 027) sowie zwischen Maßzahl und Maßeinheit (5 % oder § 3) sollte ein geschütztes Leerzeichen (Strg + Shift + Leertaste) gesetzt werden, das einen Zeilenumbruch verhindert. Dass in all diesen Fällen ein Leerzeichen gesetzt werden muss, ist in der Norm DIN 5008 festgesetzt. Wer darüber hinaus das geschützte schmale Leerzeichen verwendet, erweist der Leserschaft damit einen Dienst: Die Zeichengruppen können schneller erkannt werden, was die Leserlichkeit erhöht. Zudem wirken solche Zeichengruppen besser proportioniert und im Satz von Blocktexten bleibt der Abstand stets gleich groß, was zu einem schöneren Layout führt. Apropos Abstände: Doppelte Leerschläge sollten aus typografischen Gründen vermieden werden und stören ebenfalls den Lesefluss. Über die Funktion »Suchen + Ersetzen« können solche Fehler leicht und zügig korrigiert werden. (14. November 2016)

KW 45/2016

ernst vs. Ernst

Heute – im wahrsten Sinne des Wortes – ein ernstgemeinter Tipp: »ernst« kann man kleinschreiben und mit anderen Wörtern zusammenschreiben. Wie so oft ist also die Frage ›Zusammen oder getrennt, groß oder klein?‹ nicht so einfach zu beantworten: Tritt »ernst« in Verbindung mit einem Verb auf, schreibt man getrennt: »Wir müssen das ernst nehmen.« oder »Das war doch nicht ernst gemeint!« In Verbindung mit einem Partizip kann sowohl getrennt als auch zusammengeschrieben werden: »ein ernst gemeinter/ernstgemeinter Vorschlag« oder »eine ernst zu nehmende/ernstzunehmende Gefahr«. Der Duden empfiehlt jedoch auch hier die Getrenntschreibung, und damit fährt man ja in allen Fällen immer richtig. Bei der Groß- oder Kleinschreibung muss gefragt werden, ob »ernst« als Substantiv oder Adjektiv verwendet wird. Das Adjektiv wird natürlich kleingeschrieben: »Die Lage ist ernst.« oder »Sie nimmt die Sache zu wenig ernst.« In den folgenden Beispielen handelt es sich um ein groß zu schreibendes Substantiv: »Es ist mir vollkommener Ernst damit.« oder »Aus dem Spiel wurde Ernst« oder »Ich habe das im Ernst gesagt.« Und bei »Hallo, Ernst!« ja sowieso. (07. November 2016)

KW 44/2016

Vor Kurzem oder vor kurzem? Ach, ... kürzlich!

FotobeweisVor Kurzem wurde ich gefragt, ob man in Wendungen, in denen das flektierte Adjektiv »kurz« vorkommt, dieses groß oder klein schreibt. Wer unsicher und zugleich clever ist, greift natürlich auf die Varianten »kürzlich« oder »vor kurzer Zeit« zurück. Falsch machen kann man aber sowieso nichts, denn sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung ist richtig: vor Kurzem oder vor kurzem. Allerdings wird im Duden die Großschreibung präferiert. Die Rechtschreibprüfung von Microsoft Word ist da anderer Meinung – man sollte sich also von den dortigen Vorschlägen nicht beirren lassen oder diese zumindest stets kritisch prüfen. (31. Oktober 2016)

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