Wissen

Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 44/2016

Vor Kurzem oder vor kurzem? Ach, ... kürzlich!

FotobeweisVor Kurzem wurde ich gefragt, ob man in Wendungen, in denen das flektierte Adjektiv »kurz« vorkommt, dieses groß oder klein schreibt. Wer unsicher und zugleich clever ist, greift natürlich auf die Varianten »kürzlich« oder »vor kurzer Zeit« zurück. Falsch machen kann man aber sowieso nichts, denn sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung ist richtig: vor Kurzem oder vor kurzem. Allerdings wird im Duden die Großschreibung präferiert. Die Rechtschreibprüfung von Microsoft Word ist da anderer Meinung – man sollte sich also von den dortigen Vorschlägen nicht beirren lassen oder diese zumindest stets kritisch prüfen. (31. Oktober 2016)

KW 43/2016

Demzufolge oder dem zufolge?

Wann heißt es eigentlich »dem zufolge«, wann »demzufolge«? Bei der Zusammenschreibung handelt es sich um ein Adverb in der Bedeutung ›infolgedessen‹ oder ›deshalb‹: »Diese Regel ist sehr einfach zu merken, demzufolge kann man sie nicht so schnell wieder vergessen.« Wenn es sich jedoch um die Kombination aus dem Relativpronomen im Dativ Singular (Masukulinum/Neutrum) und der Präposition »zufolge« handelt, schreibt man »dem zufolge« getrennt: »Den Artikel, dem zufolge Menschen, die andere ständig auf Rechtschreibfehler hinweisen, eine Persönlichkeitsstörung haben und unzufrieden mit ihrem Leben sind, kann ich nicht ganz ernst nehmen.« (24. Oktober 2016)

KW 42/2016

Infrage oder in Frage?

An manchen Tagen stellt man plötzlich alles infrage. Manche Dinge, die früher noch akzeptabel erschienen, kommen auf einmal nicht mehr in Frage. Was die Schreibung betrifft, so kommt bei den Wendungen, die »infrage« bzw. »in Frage« enthalten, sowohl die Zusammen- als auch die Getrenntschreibung infrage, wobei der Duden die Zusammenschreibung bevorzugt. (17. Oktober 2016)

KW 41/2016

Nur eine Zeit lang oder zeit meines Lebens?

So, es ist wieder Zeit für den Tipp der Woche! Die Frage der Groß- oder Kleinschreibung lässt sich mit der Identifizierung der Wortart beantworten. Doch um welche Wortart handelt es sich bei der Buchstabenfolge <zeit>? – Im ersten Satz dieses Tipps natürlich um ein Substantiv. Wie sieht es aber im folgenden Satz aus? »Das werde ich zeit meines Lebens nicht vergessen!« Hier handelt es sich um eine Präposition – man spricht von Grammatikalisierung –, die einen Genitiv verlangt; folglich wird »zeit« hier kleingeschrieben. Was aber, wenn etwas nicht ein Leben lang andauert? Manche Dinge sind nur einige Zeit lang oder sogar nur kurze Zeit lang aktuell; da es sich hier um ein Substantiv handelt (›Zeitspanne‹), wird »Zeit« großgeschrieben. Wenn von »eine Zeit lang« die Rede ist im Sinne von ›eine Weile‹, also ohne einen quantifizierenden Zusatz wie oben »einige« oder »kurze«, dann ist neben der getrennten Schreibung auch die Zusammenschreibung korrekt: »Eine Zeitlang war ich voll konzentriert«. (10. Oktober 2016)

KW 40/2016

Schreibweise von Ordinalzahlen

FotobeweisAm 3. Oktober wird in Deutschland der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Ist der Feiertag gemeint, dann kann man auch »der Dritte Oktober« schreiben, da das Zahlwort in Namen oder namenähnlichen Wendungen großgeschrieben wird. Meint man aber lediglich das Datum, dann wird »dritte« kleingeschrieben: »Wir haben unser Treffen vom dritten auf den vierten Oktober verschoben.« Für die Ordinal- bzw. Ordnungszahlwörter gilt, dass man sie sowohl in Buchstaben als auch in Ziffern schreiben kann, wobei hinter der jeweiligen Zahl ein Punkt steht: 14., 35. Nicht üblich ist im Deutschen die zuweilen anzutreffende Schreibweise »3te« oder »30ste«, die wahrscheinlich ans Englische (3rd, 30th) angelehnt ist. (03. Oktober 2016)

KW 39/2016

Oh, wie schön ist Rechtschreibung!

Die Interjektion »oh« wird einerseits als Ausruf der Überraschung oder der Verwunderung (»Oh, wie toll!«, »Oh, wie furchtbar!«), andererseits als Ausruf der Ablehnung oder der Zurückweisung (»Oh, wie mich das nervt!«, »Oh, diese Rechtschreibregeln!« verwendet. In Verbindung mit anderen Wörtern wird die Interjektion meist ohne »h« geschrieben: »O nein!«, »O Gott!«, »O Wunder!«. Steht die Interjektion alleine oder wird sie betont (also mit Langvokal), dann schreibt man sie meist mit »h«. (26. September 2016)

KW 38/2016

Drache vs. Drachen

FotobeweisDer Herbst kommt langsam, aber sicher, und damit die Zeit des Drachens! Könnte die Genitiv-Form auch »des Drachen« lauten? Jein. Es kommt nämlich darauf an, was inhaltlich gemeint ist. Meint man das Kinderspielzeug, welches man im Herbst steigen lassen kann, dann liegt das Lexem »der Drachen« zugrunde, das stark flektiert wird, folglich lautet der Genitiv »des Drachens«. Ist jedoch das geflügelte Fabeltier gemeint, dann lautet das Grundwort »der Drache«. Aufgrund der schwachen Flexion heißt es dann: »In der Höhle des Drachen«. Unter »der Drachen« versteht man zudem umgangssprachlich abwertend zanksüchtige Personen sowie Segelboote und Fluggeräte. Natürlich lautet auch hier der Genitiv »Drachens«. (19. September 2016)

KW 37/2016

Anormal/abnorm/anomal heiße Herbsttage!

Wir genießen gerade anormal heiße Herbsttage! Oder abnorm heiße Herbsttage? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen den Adjektiven »abnorm«, »abnormal«, »anomal« und »anormal«? Alle Wörter tragen die Kernbedeutung »vom Normalen, von der Regel abweichend«, doch der Gebrauch ist nicht eindeutig festgelegt. »abnorm« stammt aus dem Lateinischen und bedeutet »von der Regel abweichend«. Dieses Adjektiv wird vor allem im Bereich der Medizin und Psychologie in Bezug auf ungewöhnliche Veranlagungen verwendet. In anderen Bereichen wird »abnorm« in der Bedeutung »ungewöhnlich« gebraucht. Von »abnorm« abgeleitet ist das Adjektiv »abnormal« im Sinne von »krank, nicht normal, unsinnig«. »Anomal« bedeutet so viel wie »ungleichmäßig, nicht regelmäßig« und wird ebenfalls in der Medizin und in der Psychologie für Abweichungen im Körperbau und andere Entwicklungsbesonderheiten verwendet. Im übertragenen Sinn wird es mit der Bedeutung »ungewöhnlich, nicht normal« gebraucht. »Anormal« schließlich ist eine Kombination aus dem griechisch-lateinischen Wort »anomalus« und dem mittellateinischen »normalis« und bedeutet ebenfalls »nicht normal«. Man sollte also einzig eher nicht von »abnormal« heißen Herbsttagen sprechen, da das Adjektiv eher negativ konnotiert ist – es sei denn natürlich, man mag keinen sommerlichen Herbst. Oder ist der noch normal? (12. September 2016)

KW 36/2016

tough oder taff?

Wow, was für eine toughe Frau! Mann, was für ein taffer Mann! »tough« kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie »robust, nicht empfindlich, durchsetzungsfähig«. Das englische Wort geht wiederum auf das jiddische Wort »toff« zurück, welches vom hebräischen Wort »tôv« abstammt, das »gut« bedeutet. Im Deutschen ist sowohl die dem Englischen entsprechende Schreibvariante »tough« als auch die ans Jiddische angelehnte Schreibweise »taff« korrekt, der Duden bevorzugt allerdings die Variante »tough«. (05. September 2016)

KW 35/2016

Coffein, Koffein, Tein, Teein, Thein

FotobeweisEs gibt Tage, durch die man nicht ohne Koffein kommt. Oder ohne Coffein? Das Alkaloid mit anregender Wirkung kann sowohl mit »K« als auch mit »C« geschrieben werden, Duden präferiert allerdings die Schreibung »Koffein«. Beim Alkaloid in Teeblättern hat man noch mehr Wahlfreiheit bezüglich der Schreibung: »Tein«, »Teein« und »Thein« sind alles korrekte Varianten, wobei »Tein« die von Duden bevorzugte Schreibweise ist. (29. August 2016)

KW 34/2016

Der oder das Gummi?

FotobeweisWie so oft, ist die Frage nicht so einfach zu beantworten. Wie bei Harz hängt das Genus von der Bedeutung ab: der Harz ›Höhenzug‹, das Harz ›Absonderungsmilch von Bäumen‹. Wenn man sich auf das Gummi bezieht, das aus Harz hergestellt wird (Kautschuk oder Gummiakazien), sind beide Genera richtig. Gummi ist in diesem Fall auf ägypt. kemai »wohlriechendes Harz« zurückführbar und über gr. kómmi und lat. gummi entlehnt worden. Wenn man auf den (Radier)gummi oder Präservativ referiert, geht nur der, daher auch der Gummi arabicum. Aber bei Gummi als Kurzform zu Gummiband ist Neutrum Pflicht, da es wie bei Korn oder Rock auf die getilgte Komponente (-band, -branntwein und -musik) verweist. Das Genus sorgt also bei solch schwierigen und zahlreichen Unterscheidungen für Klarheit; die Herleitung erklärt Genusvarianten. (22. August 2016)

Noch mehr Tipps?