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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 34/2016

Der oder das Gummi?

FotobeweisWie so oft, ist die Frage nicht so einfach zu beantworten. Wie bei Harz hängt das Genus von der Bedeutung ab: der Harz ›Höhenzug‹, das Harz ›Absonderungsmilch von Bäumen‹. Wenn man sich auf das Gummi bezieht, das aus Harz hergestellt wird (Kautschuk oder Gummiakazien), sind beide Genera richtig. Gummi ist in diesem Fall auf ägypt. kemai »wohlriechendes Harz« zurückführbar und über gr. kómmi und lat. gummi entlehnt worden. Wenn man auf den (Radier)gummi oder Präservativ referiert, geht nur der, daher auch der Gummi arabicum. Aber bei Gummi als Kurzform zu Gummiband ist Neutrum Pflicht, da es wie bei Korn oder Rock auf die getilgte Komponente (-band, -branntwein und -musik) verweist. Das Genus sorgt also bei solch schwierigen und zahlreichen Unterscheidungen für Klarheit; die Herleitung erklärt Genusvarianten. (22. August 2016)

KW 33/2016

Gallions-, Galjons-, Galions- oder Galeonsfigur?

aus und (c) Frankfurt Allgemeine Woche, Nr. 32Die Person an der Spitze einer Partei wird gern als »Galionsfigur« bezeichnet. Oder als Gallionsfigur äquivalent zu Million, Mission oder Kommission? Zieht man die Regel ›Doppelkonsonant nach Kurzvokal‹ heran, hätte man auch recht. Die korrekte Schreibung Galionsfigur lässt sich jedoch – wie auch die inkorrekte Schreibweise Galeonsfigur – sprachhistorisch erklären: Für die beeindruckenden Kriegs- und Handelssegelschiffe wählten die Spanier das Wort galeón (von mlat. galea), welches das Vorbild für ital. galeone und frz. galion gewesen ist. Das Deutsche wiederum hat das Wort aus dem Französischen entlehnt, daher die Schreibung mit i, vermutlich über mittelniederl. galjoen. Daher vermutlich die ebenfalls belegte (inkorrekte) Schreibung Galjonsfigur.

Um auch mal einen Blick in die Zukunft zu wagen: Das deutschsprachige Wort »Million« erscheint erstmals in spätmittelhochdeutschen Texten, und zwar in Form von milion; gut möglich also, dass wir an dieser Stelle einmal Gallionsfigur als korrekt ausweisen müssen. (15. August 2016)

KW 32/2016

steckenbleiben oder stecken bleiben?

Ähm, wo war ich nochmal stecken geblieben? Oder bin ich steckengeblieben? Ist »steckenbleiben« in übertragener Bedeutung im Sinne von »ins Stocken geraten« gemeint, so kann getrennt oder zusammengeschrieben werden. Bei der konkreten Bedeutung schreibt man jedoch immer getrennt: »Die S-Bahn ist mitten auf der Strecke stecken geblieben.« (08. August 2016)

KW 31/2016

1. August

FotobeweisWas haben der Schweizer Nationalfeiertag und die Rechtschreibreform der deutschen Sprache gemeinsam? Richtig, den 1. August! Zum ersten Mal seit der Normierung der deutschen Rechtschreibung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Jahren 1901/1902 wurde Ende des Jahrhunderts die Rechtschreibung reformiert. Die neue deutsche Rechtschreibung trat am 1. August 1998 in Kraft und wurde von vielen Seiten kritisiert, es kam zu einer Reform der Reform und seit dem 1. August 2006 gilt nun die neueste deutsche Rechtschreibung. Eine Rechtschreibregel davon lautet: Aneinanderreihungen mit Zahlen (in Ziffern) werden durch Bindestriche verbunden. Es heißt also korrekt »1.-August-Weggen« und nicht »1. August Weggen«. (01. August 2016)

KW 30/2016

Was gehört hier wie zusammen?

Fotobeweis»Pokémon Go« ist in aller Munde, und auch geschrieben wird in der Sauren-Gurken-Zeit viel darüber. Laut dem Rechtschreibduden schreibt man »Pokemon«, im Fremdwörterduden findet man den Eintrag »Pokémon« mit der Erklärung, dass es sich vermutlich um eine Portmanteau-Bildung aus den englischen Wörtern »pocket« (Tasche) und »Monster« (Ungeheuer) handelt. Doch was ist »Pokémon Go« eigentlich? Ein »magisches GPS-durchgezogenes-big-brother Universum«. Ein was? Der Autor des im Bild zu sehenden Textes wusste wohl nicht so recht, was wie zusammengehört. Es handelt sich um zwei Adjektive und ein Substantiv: Korrekt ist, dass zusammengehörende Teile mit Bindestrich verbunden werden, in diesem Fall aber ist ein »Big-Brother-Universum« gemeint. Dieses Universum ist nicht nur magisch, sondern eben auch »GPS-durchgezogen«. Das Partizip des Verbs »durchziehen« ist in der Bedeutung »in etwas durchgängig enthalten sein« gemeint. Folglich heißt das korrekte Partizip »durchzogen«. Also, nochmal: Was ist »Pokémon Go«? Ein »magisches GPS-durchzogenes Big-Brother-Universum«. (25. Juli 2016)

KW 29/2016

E-Mail, email, e-mail oder Email?

FotobeweisElektronische Post gehört zum Alltag des 21. Jahrhunderts. Besser bekannt ist sie unter dem englischen Wort »e-mail«, ein Kurzwort für »electronic mail«. Doch wie lautet die korrekte Schreibung im Deutschen? Das Substantiv wird mit Bindestrich geschrieben, wie das immer der Fall ist, wenn bei einem Kompositum ein Glied ein einzelner Buchstabe ist. Beide Elemente des Kompositums werden großgeschrieben: Das »E« steht zwar für das Adjektiv »electronic«, es bildet aber einen Teil eines zusammengesetzten Substantivs und wird deshalb großgeschrieben. Neben der korrekten Form »E-Mail« existiert die verkürzte Form »Mail«, die laut Duden ebenfalls zugelassen ist. Im Standarddeutschen heißt es »die E-Mail/Mail«, im Süddeutschen, Österreichischen und Schweizerischen existiert auch die Form »das E-Mail/Mail«. Übrigens: Der Legende nach soll in den Anfängen der Medienlinguistik einst ein Professor freudig ausgerufen haben, »Email« stehe ja bereits im Duden. Es stellte sich dann heraus, dass er beim folgenden Eintrag gelandet war: »glasharter, korrosions- u. temperaturwechselbeständiger Schmelzüberzug als Schutz auf metallischen Oberflächen od. als Verzierung«. (18. Juli 2016)

KW 28/2016

Wie schreibt man »aus dem Stegreif« und weshalb?

Manche Dinge tut man »aus dem Stegreif«, also ohne Vorbereitung, improvisiert. Doch was bedeutet »Stegreif« eigentlich? Viele deuten es wohl als »stehen« und »greifen«, weshalb oft die falsche Schreibweise »Stehgreif« auftritt. Bis ins 18. Jahrhundert bezeichnete man damit den Steigbügel (althochdeutsch: stegareif, mittelhochdeutsch steg[e]reif). Der erste Wortbestandteil bedeutet also nicht »stehen«, sondern »steigen«, »reif« bedeutet »Strick« – gemeint ist in diesem Fall eine Seilschlinge am Sattel. Die Wendung »aus dem Stegreif« kam im 17. Jahrhundert auf und bedeutete ursprünglich, dass man etwas tat, ohne erst vom Pferd zu steigen. (11. Juli 2016)

KW 27/2016

Penaltys! Pluralbildung von Anglizismen auf -y

FotobeweisDas Viertelfinalspiel zwischen Italien und Deutschland war extrem spannend, insbesondere das Elfmeterschießen – oder wie man in der Schweiz sagt: das Penaltyschießen. Wie lautet denn der Plural von »Penalty«? Im Englischen »penalties«, im Deutschen wird der Plural einfach mit »s« gebildet: »Penaltys«. Das gilt analog auch für »Partys«, »Hobbys«, »Babys« etc. (04. Juli 2016)

KW 26/2016

Informant oder Informand?

Schreibt man eigentlich »Informand« oder »Informant«? Es kommt darauf an, was inhaltlich gemeint ist. Ein Informant ist eine Person, die Informationen erteilt (an Forschende, an die Polizei oder Presse). Ein Informand dahingegen ist eine Person, die informiert werden soll, die beispielsweise in einer Ausbildung in bestimmte Tätigkeitsgebiete eingeführt werden soll. Generell kann gesagt werden: Personenbezeichnungen können sowohl mit dem Suffix -and als auch -ant gebildet werden. »-and« ist auf das lateinische Gerundiv zurückzuführen und hat demnach passivische Bedeutung. Es handelt sich um eine Person, mit der etwas geschehen soll, z. B. Konfirmand, Maturand, Doktorand. Das Suffix -ant entspricht dem lateinischen Partizip Präsens und hat aktivische Bedeutung: Musikant, Emigrant, Sympathisant, Praktikant etc. Zur selben Basis werden allerdings nur selten beide Ableitungen gebildet wie im Fall von »Informand« vs. »Informant«. (27. Juni 2016)

KW 25/2016

Akkommodation

»Akkommodation«, das fremdsprachliche Wort für Angleichung oder Anpassung, wird sowohl mit zwei »k« als auch mit zwei »m« geschrieben. Das Wort stammt ursprünglich aus dem Lateinischen (»accomodatio« bzw. »accomodare«), wo es nur mit einem »m« geschrieben wurde. Entlehnt wurde das Wort allerdings aus dem Französischen (»accommodation«) ins Deutsche und die Schreibung mit Doppel-m wurde beibehalten. (20. Juni 2016)

KW 24/2016

Komitee

FotobeweisDas Wort »Komitee« wird im Deutschen so oft falsch geschrieben, dass die falsche Schreibung »Kommitee« sogar in den Duden aufgenommen wurde, aber eben: als falsche Schreibung! Das Wort stammt vom französischen »comité« ab und wird deshalb nur mit einem »m« und einem »t« geschrieben. Eine mögliche Quelle für den Fehler könnte das Englische sein: Dort heisst es nämlich »committee«. (13. Juni 2016)

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