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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 14/2016

Inbus®- oder Imbusschlüssel? Beides nicht!

FotobeweisNa, wie heißt das im Bild zu sehende Werkzeug mit Innensechskant zum Anziehen oder Lockern von Schrauben? Wer spontan mit »Imbusschlüssel« geantwortet hat, steht mit dieser falschen Antwort nicht alleine da: Der Fehler wird so häufig gemacht, dass im Duden sogar »Imbus« als falsche Schreibung für »Inbus®« eingetragen ist. Wer weiß, woher das Wort stammt, kann sich die Schreibweise jedoch einfach erklären und merken. »Inbus« ist eine Kurzform aus »Innensechskantschlüssel [der Firma] Bauer und Schaurte«, also eine Kurzform aus Werkzeugart und Erfinder. Im Sprachgebrauch wird »Inbus®« im Alltag wahrscheinlich häufiger gesprochen als geschrieben, und so lässt sich auch der Fehler erklären: Es handelt sich phonologisch gesehen um eine sogenannte regressive Assimilation, das bedeutet, dass das »n« sich dem »b« angleicht. Sowohl das »b« als auch das »m« sind bilabiale Laute, die mit den Lippen artikuliert werden, im Gegensatz zum »n«, das am oberen Zahndamm (alveolar) gebildet wird.
Das Werkzeug erstmals herstellende Unternehmen Inbus wehrt sich übrigens gegen die Verwendung von »Inbusschlüssel« als Gattungsbezeichnung. Wenn Sie diese – also Innensechskantschlüssel/-schraube – verwenden, kommen Sie nicht nur diesem Wunsch nach, sondern umgehen auch die Problematik bei der Schreibung. (04. April 2016)

KW 13/2016

alttestamentarisch vs. alttestamentlich

FotobeweisWas ist eigentlich der Unterschied zwischen »alttestamentarisch« und »alttestamentlich«? Das Adjektiv »alttestamentlich« bezieht sich auf das Alte Testament der Bibel, man spricht also von alttestamentlichen Schriften. »alttestamentarisch« jedoch bedeutet so viel wie »nach Art des Alten Testaments«, es handelt sich also um einen Vergleich: »alttestamentarische Strenge«. Bei der Verwendung von »alttestamentarisch« sollte man sich allerdings bewusst sein, dass das Adjektiv häufig negativ konnotiert wird. (28. März 2016)

KW 12/2016

der oder die Krake?

FotobeweisDas Wort »Krake« stammt aus dem Norwegischen, es bezeichnete in der nordischen Mythologie ein Meeresfabeltier. Unter »Krake« versteht man einen großen Tintenfisch mit acht kräftigen Fangarmen, die mit Saugnäpfen besetzt sind, oder eben auch ein sagenumwobenes Meerungeheuer, das Kraken-Gestalt besitzt. »Krake« ist einfach zu schreiben, doch über das Genus herrscht oftmals Unklarheit: Heißt es »der Krake« oder »die Krake«? Standardsprachlich bzw. fachsprachlich ist »der Krake« korrekt, umgangssprachlich ist aber auch häufig »die Krake« zu hören. (21. März 2016)

KW 11/2016

Plattitüde, Platitüde oder Platitude?

Wie nennt man eine nichts sagende, abgedroschene Redewendung, ein Gemeinplatz? Genau, eine »Plattitüde«. Neben dieser Schreibung ist auch die französische Form »Platitude« korrekt. Und wer jetzt sagt, dass ihm »Platitüde« auch eine korrekte Form zu sein scheint, der hat halb recht: Es handelt sich bei dieser Schreibweise und die korrekte Form in der alten Rechtschreibung, heute sind jedoch nur noch »Plattitüde« und »Platitude« korrekt. (14. März 2016)

KW 10/2016

Plural von »Schema«

Das Wort »Schema« stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Haltung, Stellung sowie Gestalt, Figur, Form. Entsprechend unterscheidet man zwei Bedeutungen:
1) ein gedankliches Konzept, das eine Person von einem Sachverhalt hat und aufgrund dessen sie Dinge beurteilt oder Handlungen vollzieht
2) eine grafische Darstellung von Sachverhalten

Wie lautet nun die Pluralform von »Schema«? Die Wahrscheinlichkeit, die Lösung zu erraten, ist ziemlich hoch, denn korrekt sind drei verschiedene Formen:
1) die Schemas
2) die Schemata
3) die Schemen. (07. März 2016)

KW 9/2016

»dazugehörend« oder »dazugehörig«?

Fragen und dazugehörige Antworten, ein Schloss und dazugehörende Schlüssel, eine Lieferung und die dazugehörige Rechnung. Sowohl »dazugehörig« als auch »dazugehörend« ist korrekt, man hat also freie Wahl. Häufiger verwendet wird allerdings die Form »dazugehörig«. (29. Februar 2016)

KW 8/2016

stehen bleiben oder stehenbleiben?

»Stehen bleiben« oder »stehenbleiben«? Ohne Kontext kann diese Frage nicht beantwortet werden. Wenn es sich um eine konkrete Bedeutung handelt, muss man getrennt schreiben: »Während des Spaziergangs wollte er immer wieder stehen bleiben.« Bei übertragener Bedeutung hat man die Wahl, ob man getrennt schreiben möchte oder nicht: »Die Zeit ist in diesem Dorf stehen geblieben / stehengeblieben.« (22. Februar 2016)

KW 7/2016

tragikomisch oder tragikkomisch?

Im Leben gibt es manchmal Momente, in denen man nicht recht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Das sind tragikomische Momente, halb tragisch, halb komisch. Das Wort geht zurück auf das Substantiv »Tragikomik«, welches wiederum auf »Tragikomödie« zurückzuführen ist. Dieser Ausdruck wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen »tragicomoedia« entlehnt, einer Wortkreuzung aus »tragicus« und »comoedia«. Es handelt sich also bei »tragikomisch« um die adjektivische Ableitung dieser Wortkreuzung, und nicht, wie man vielleicht denken könnte, um die Verbindung der Worte »Tragik« und »komisch«, weshalb es nicht »tragikkomisch« geschrieben wird. (15. Februar 2016)

KW 6/2016

ihr wart oder ihr ward?

Wie heißt es korrekt: »Wart ihr beim Fasching?« oder »Ward ihr beim Fasching?«? Die 2. Person Plural Indikativ Präteritum von »sein« lautet: »ihr wart«. Die Form »ward« existiert jedoch auch, und zwar handelt es sich dabei und die ursprüngliche, heutzutage kaum noch gebräuchliche Form der 1. und 3. Person Singular Indikativ Präteritum von »werden«: ich ward, er/sie/es ward. Heute sagt man aber meistens: ich wurde, er/sie/es wurde. (08. Februar 2016)

KW 5/2016

Joghurt, Jogurt oder Yoghurt?

FotobeweisNa, wie nennt man eine durch Zusetzen bestimmter Milchsäurebakterien gewonnene Art Sauermilch? [ˈjo:gʊrt], richtig! Doch wie wird es geschrieben? Sowohl »Joghurt« als auch »Jogurt« ist korrekt! »Yoghurt« hingegen ist im Deutschen eine veraltete und somit nicht korrekte Schreibweise, im Englischen jedoch die aktuelle. Auch beim Genus hat man die Wahl, »der Jogurt« und das »Joghurt« ist korrekt, wobei das Neutrum hauptsächlich in der Schweiz und in Österreich verbreitet ist. In Österreich findet man zudem die Variante »die Joghurt«, vor allem im Wienerischen. Das Wort stammt übrigens aus dem Türkischen, dort heißt es »yogurt«, abgeleitet von »yogun«, was so viel wie »dicht, kompakt, dickflüssig, steif« bedeutet. (01. Februar 2016)

KW 4/2016

outgesourct oder ausgesourct?

Heutzutage wird vieles outgesourct, auf Deutsch könnte man auch sagen: fremdvergeben. Mit Betonung auf könnte, denn faktisch gebraucht wird hauptsächlich »outsourcen«. Konjugiert wird es wie folgt: ich source out, du/er/sie/ihr sourct out, wir/sie sourcen out. Das »out« kann auch durch das deutsche Verbalpräfix »aus« ersetzt werden, also »aussourcen«. Was das Partizip Perfekt betrifft, so muss zunächst konstatiert werden, dass eingedeutschte englische Verben immer schwach konjugiert werden, das Partizip hat also die Form ge-…-t. Das korrekte Partizip lautet folglich »outgesourct« und nicht in Analogie zum Englischen »outgesourced«. Wahlweise kann man natürlich auch »ausgesourct« oder »fremdvergeben« schreiben. (25. Januar 2016)

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