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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 4/2016

outgesourct oder ausgesourct?

Heutzutage wird vieles outgesourct, auf Deutsch könnte man auch sagen: fremdvergeben. Mit Betonung auf könnte, denn faktisch gebraucht wird hauptsächlich »outsourcen«. Konjugiert wird es wie folgt: ich source out, du/er/sie/ihr sourct out, wir/sie sourcen out. Das »out« kann auch durch das deutsche Verbalpräfix »aus« ersetzt werden, also »aussourcen«. Was das Partizip Perfekt betrifft, so muss zunächst konstatiert werden, dass eingedeutschte englische Verben immer schwach konjugiert werden, das Partizip hat also die Form ge-…-t. Das korrekte Partizip lautet folglich »outgesourct« und nicht in Analogie zum Englischen »outgesourced«. Wahlweise kann man natürlich auch »ausgesourct« oder »fremdvergeben« schreiben. (25. Januar 2016)

KW 3/2016

»Dasselbe« und »das Gleiche«

»Dasselbe« und »das Gleiche« sind nicht dasselbe, und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Die Bedeutungsunterscheidung wird im Alltag allerdings nicht immer vollzogen. Dabei spielt es keine geringe Rolle, ob man »das gleiche« oder »dasselbe« Hemd vom Vortag trägt. Im letzten Fall ist es mit dem Hemd identisch, das man den Tag zuvor trug, bei »dem gleichen« nur ein vergleichbares. Mit der Eselsbrücke »Identisches muss man nicht vergleichen« lässt sich das gut erinnern. Einzig die Schreibung ist nicht vergleichbar – es mangelt an Gleichbehandlung: »Das gleiche« muss man getrennt schreiben, »dasselbe« hingegen zusammen (also nicht »das selbe«). Mit einer Ausnahme muss man es allerdings abtrennen: bei klitisierten Formen aus Präposition + Artikel (am statt an dem). So lässt sich nicht nur »am gleichen Tag«, sondern auch »am selben Tag« schreiben. Das ist dann orthografisch vergleichbar, syntaktisch sogar identisch. Aber ist dann auch »die ewig selbe Frage« möglich? (18. Januar 2016)

KW 2/2016

Seid bitte vorsichtig mit »seit« und »seid«!

FotobeweisWas ist eigentlich der Unterschied zwischen »seit« und »seid«? Die Präposition und Konjunktion »seit« schreibt man, zumindest seit ich denken kann, mit »t«. Die flektierte Form des Verbs »sein« wird sowohl in der 2. Person Plural Indikativ Präsens (»ihr seid schlau!«) als auch im Imperativ (»seid bitte leise!«) mit »d« geschrieben. Übrigens wird häufiger »ihr seid« fälschlicherweise mit »t« geschrieben als die Präposition und Konjunktion »seit« mit »d« statt »t«, was wohl auf die Auslautverhärtung zurückgeführt werden kann. So, und seit ihr diesen Tipp gelesen habt, seid ihr über den Unterschied zwischen »seit« und »seid« informiert! (11. Januar 2016)

KW 1/2016

Graffiti

FotobeweisJeder kennt sie, die Graffiti, aber nicht jeder weiss, wie man es korrekt schreibt. Im Duden findet man »Grafitto« als falsche Schreibweise für richtig »Graffito«. Das aus dem Italienischen stammende Fremdwort wird mit »ff« und nicht, wie viele irrtümlicherweise denken, mit »tt« geschrieben. Beim Genus hat man die Wahl: Häufiger ist »der Graffito«, korrekt ist aber auch »das Graffito«. Meist erscheint das Wort jedoch im Plural, und auch da muss man aufpassen: Deutsche Muttersprachler sind geneigt, Fremdwörtern ein Plural-s anzuhängen, wie dies meist bei Wörtern aus dem Englischen oder Französischen der Fall ist. Korrekt ist aber im Deutschen nur die Italienische Plural-Form, die auf -i lautet (analog Zucchino-Zucchini; bei »Salto« hingegen entsprechen im Plural sowohl »Salti« als auch »Saltos« der orthographischen Norm). Dennoch ist »Graffitis« in der gesprochenen Sprache schon weit verbreitet und wird vielleicht in Zukunft wie »Saltos« auch als korrekte Form verzeichnet. Das Wort stammt von »graffiare«, was so viel wie »kratzen« bedeutet. In der Kunst wird damit »in eine Wand eingekratzte Inschrift« bezeichnet. Das Wort wurde im 18. Jahrhundert ins Deutsche entlehnt, aber erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts kam die Bedeutung »auf Mauern, Fassaden oder Ähnliches gesprühte oder gemalte Parole oder Darstellung« hinzu. (04. Januar 2016)

KW 53/2015

Silvester oder Sylvester?

FotobeweisNa, wer oder was steht schon bald wieder vor der Tür? Silvester oder Sylvester? Ist der letzte Tag des Jahres gemeint, dann schreibt man »Silvester«. Dies wird jedoch so häufig falsch geschrieben, dass »Sylvester« sogar im Duden als »falsche Schreibung für Silvester« verzeichnet ist. Benannt ist dieser Tag nach Silvester dem I., dem Tagesheiligen des 31. Dezembers, der von 314 bis 335 Papst war. Was den Artikel betrifft, so ist sowohl »der Silvester« als auch »das Silvester« korrekt. Allerdings wird »Silvester« meist ohne Artikel verwendet. Und trotzdem, es könnte auch »Sylvester« vor der Tür stehen: Den Vornamen gibt es sowohl in der Schreibweise mit »i« als auch mit »y«. Doch dass ein »Sylvester« vor der Tür steht, ist sehr unwahrscheinlich: Laut dem Bundesamt für Statistik (Quelle siehe unter »Informationen zum Fehler«) gab es in der Schweiz zwischen 1902 und 2014 lediglich 23 Personen mit dem Vornamen »Sylvester«, und auch »Silvester« gab es im selben Zeitraum nur 56. Das Schriftbild »Sylvester« ist aber vielen durch die beiden Schauspieler »Sylvester Stallone« und »Sylvester Groth« vertraut. (28. Dezember 2015)

KW 52/2015

: und dann ...?

Doppelpunkte sind praktisch, sie sparen Wörter. »Das Wetter heute: schön«. Allerdings mag mancher die Wahl des Satzzeichens bereuen, wenn er danach weiterschreiben muss. Die Frage, ob dies groß oder klein geschehen muss, ist leicht beantwortet: Folgt ein vollständiger Satz, also wie den, den Sie gerade lesen (mit einem finiten Verb und den nötigen Satzgliedern wie dem Subjekt), so schreibt man groß weiter, es ist eben ein Satz(anfang). Folgt kein Satz wie beim obigen »schön«, schreibt man hingegen klein weiter. Damit gleicht der Doppelpunkt weder dem Punkt noch dem Komma, sondern hat eine wunderbare Sonderstellung inne – leider damit aber auch eine zu erlernende Regel. (21. Dezember 2015)

KW 51/2015

Ein Konto, zwei Kont...?

Wahrscheinlich ist es klug, nicht sein gesamtes Vermögen auf einem einzigen Konto liegen zu haben. Doch wenn man ein zweites Konto eröffnet hat, was hat man dann? Zwei Konten, zwei Kontos oder zwei Konti? Korrekt sind alle drei Varianten, wobei »die Konten« die gebräuchlichste Form ist. Da »Konto« gemischt flektiert wird, heißt es im Genitiv »des Kontos« sowie im Plural »der Konten«. Das Wort »Konto« geht übrigens auf das italienische Wort »conto« (= Rechnung) zurück, daher stammt die Pluralform »die Konti«. »Die Kontos« hingegen gehören zum s-Plural, der im 17./18. Jahrhundert im Deutschen aufgekommen ist und der oft bei Akronymen (AKWs) oder Fremdwörtern (E-Mails) verwendet wird. (14. Dezember 2015)

KW 50/2015

Du sollst nicht schummeln und wenn, dann schreib es korrekt!

Fotobeweis»schummeln« bedeutet so viel wie »unehrlich handeln / mogeln« oder »durch Täuschung, Tricks irgendwohin bringen / bewegen«. Hier hat sich allerdings der Verfasser getäuscht und ein »m« irgendwohin gebracht: Man schreibt nicht »schmumeln«, sondern »schummeln«! (07. Dezember 2015)

KW 49/2015

Halbe »falsche Freunde«

»muss not« ist ›ungleich‹ muss nicht (sondern ›darf nicht‹)Als ›falsche Freunde‹ bezeichnet man Wörter, die in unterschiedlichen Sprachen gleich oder ähnlich geschrieben bzw. ausgesprochen werden, aber eine unterschiedliche Bedeutung aufweisen, also ›keine Freunde‹ sind. Bei engl. must und dt. muss ist das etwas diffiziler. Bei »Er muss büßen« und »He must pay for that« sind es richtige Freunde – beide haben die Bedeutung ›müssen‹. Bei Verneinung sind sie allerdings geschiedene Leute: »He must not pay for that.« bedeutet nicht »Er muss nicht büßen«, sondern »Er darf nicht büßen«. Übersetzt werden müssen hätte es also korrekterweise mit »darf nicht negativ ... sein«. Ähnlich: »Visual Studio is here!«, das mit »ist hier« übersetzt worden ist, jedoch »ist da« meint. ›Ganze‹ falsche Freunde findet man natürlich ebenso: etwa bei actual, eventually, die nicht ›aktuell‹ bzw. ›eventuell‹, sondern ›tatsächlich‹ resp. ›schließlich‹ bedeuten. (30. November 2015; Screenshot: Torsten Siever)

KW 48/2015

Genau so oder genauso?

Wie schreibt man »genauso«? Genau so? Wenn das betonte Adverb »so« im Sinne von »auf diese Art/Weise« durch »genau« im Sinne von »exakt/gerade/eben« näher bestimmt wird, dann schreibt man getrennt: »Ich schreibe das Wort genau so, wie es im Wörterbuch steht.« Wenn »genau« betont wird, schreibt man es zusammen: »Das Wetter wird morgen genauso übel wie heute.« Kommt »genauso« mit einem Adverb oder einem unbestimmten Zahlwort zusammen vor, schreibt man die beiden Wörter getrennt, also: »genauso wenig«, »genauso viel«, »genauso gern«, »genauso gut«, »genauso oft« etc. Bei »genauso viel Mal« ist übrigens auch die Schreibung »genausovielmal« korrekt. (23. November 2015)

KW 47/2015

Winken, wank, gewunken?

»gewinkt« ist die korrekte Schreibung»Mit dem Zaunpfahl gewunken«. Das zweite Partizip (Perfekt) von sinken wird nicht selten mit Ablaut gebildet. Nicht weiter beunruhigend, denn schließlich werden auch gesunken und gestunken abgelautet? Trotzdem falsch. Denn abgelautet werden nur starke Verben, und sinken und stinken sind starke Verben; ihr Präteritum ist deshalb auch weder sinkte noch stinkte, sondern sank und stank. Das Präteritum von winken hingegen ist zweifelsfrei winkte. Und da winken damit ein schwaches Verb ist, wird das Partizip Perfekt eben wie bei jedem anderen schwachen Verb mit ge-...-t gebildet: »Mit dem Zaunpfahl gewinkt«. (16. November 2015; Screenshot: Torsten Siever)

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