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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 47/2015

Winken, wank, gewunken?

»gewinkt« ist die korrekte Schreibung»Mit dem Zaunpfahl gewunken«. Das zweite Partizip (Perfekt) von sinken wird nicht selten mit Ablaut gebildet. Nicht weiter beunruhigend, denn schließlich werden auch gesunken und gestunken abgelautet? Trotzdem falsch. Denn abgelautet werden nur starke Verben, und sinken und stinken sind starke Verben; ihr Präteritum ist deshalb auch weder sinkte noch stinkte, sondern sank und stank. Das Präteritum von winken hingegen ist zweifelsfrei winkte. Und da winken damit ein schwaches Verb ist, wird das Partizip Perfekt eben wie bei jedem anderen schwachen Verb mit ge-...-t gebildet: »Mit dem Zaunpfahl gewinkt«. (16. November 2015; Screenshot: Torsten Siever)

KW 46/2015

Großschreiben wird im Deutschen groß geschrieben

Substantive und Substantivierungen, das weiß jeder, werden im Deutschen »großgeschrieben«, das heißt, der Anfangsbuchstabe eines Wortes ist ein Großbuchstabe. »Groß geschrieben« wird aber nicht immer zusammengeschrieben. Es handelt sich bei Getrenntschreibung um eine umgangssprachliche Formulierung mit der übertragenen Bedeutung ›etwas spielt eine wichtige Rolle, nimmt einen wichtigen Platz ein, wird als wichtig erachtet‹. (09. November 2015)

KW 45/2015

Hell-Dunkel-Kontrast

FotobeweisKomposita werden im Deutschen normalerweise zusammengeschrieben, »Haus« und »Tür« ergibt »Haustür«. Wenn allerdings das Kompositum aus einer Wortgruppe besteht, dann verbindet man die einzelnen Bestandteile mit einem Bindestrich (sog. Durchkopplung): »das Süß-sauer-Gericht« oder »das Sowohl-als-auch«. Da es sich um ein Substantiv handelt, wird der erste Buchstaben großgeschrieben; auch alle substantivischen Komponenten werden großgeschrieben, der Rest klein. So heißt es auch »das Zu-spät-Kommen«, da es sich bei »Kommen« um eine Substantivierung handelt. Etabliert sich aber eine ursprünglich durchgekoppelte Form, so kann sie auch ohne Bindestriche geschrieben werden: »das In-Kraft-Treten« oder »das Inkrafttreten«. Dasselbe gilt für »Hell-Dunkel-Kontrast« oder »Helldunkelkontrast«, denn bei »Helldunkel« handelt es sich um eine Lehnübersetzung aus dem Italienischen »chiaroscuro«, ein feststehender Terminus aus der Malerei für das Zusammenspiel von Licht und Schatten, bzw. hellen und dunklen Farben. (02. November 2015)

KW 44/2015

Deklination und Komposition von Farbadjektiven

In einem Artikel über die PlayStation 4 ist zu lesen: »Zur Auswahl stehen zahlreiche bunte Farben, so könnt ihr die schwarze Konsole etwa in ein blaues, lilanes, goldenes oder rotes Gewand hüllen.« Die meisten Farbadjektive werden genauso wie andere Adjektive flektiert, einige können jedoch nicht flektiert werden. So heißt es in der Standardsprache »ein lila Gewand« und nicht »ein lilanes Gewand«. »lila« ist gekürzt aus »lilafarben«, das alternativ verwendet werden kann. Auch »rosa« kann weder dekliniert noch gesteigert werden. Für die Deklination bieten sich bieten sich in solchen Fällen Komposita mit »-farben« oder »-farbig« an. So ist golden im Duden als gehobene Variante für »goldfarben« vermerkt; analog dazu heisst es »silbern« oder »silberfarben«. Bei orange gibt es gleich fünf verschiedene Möglichkeiten; neben »orange« sind auch »orangefarben«, »orangefarbig« , »orangenfarben« und »orangenfarbig« korrekt. Bei »beige« schließlich handelt es sich um ein ursprünglich nicht flektierbares Adjektiv, das heutzutage aber auch immer häufiger in der Standardsprache flektiert wird. Folglich gibt es hier vier korrekte Variante: »ein beige Gewand«, »ein beiges Gewand« und ein »beigefarbenes/beigefarbiges Gewand«. Werden zwei Farbbezeichnungen miteinander kombiniert, so ist sowohl die Zusammenschreibung als auch die Schreibung mit Bindestrich korrekt: »ein gelbrotes Blatt« oder »ein gelb-rotes Blatt«. Werden Farben mit Partizipien kombiniert, kann getrennt oder zusammengeschrieben werden: »gelb gefärbte Blätter« oder »gelbgefärbte Blätter«. (26. Oktober 2015)

KW 43/2015

Groß- und Kleinschreibung von Farben

FotobeweisIm grauen Herbst erfreut uns das Rot der Blätter! Farben kommen in der deutschen Sprache sowohl in Form von Adjektiven als auch von substantivierten Adjektiven vor. Je nachdem, welche Funktion dem Farbwort im Satz zukommt, wird entsprechend groß- oder kleingeschrieben. Beispielsweise folgt auf eine Präposition wie »in« oder »mit« stets ein Nomen (oder Pronomen) und niemals ein Adjektiv, folglich heißt es »eine Bluse in Weiß« oder »Blau mit Rosa kombinieren«. Allgemein gilt: Adjektive schreibt man klein, substantivierte Adjektive groß: »die Farbe Gelb«, »der Farbton Gelb« bzw. einfach kurz »das Gelb« oder »ein schönes Hellrot«. Bei Farbadjektiven ist in einigen Fällen sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung richtig wie z. B. »die Rote/rote Karte« (im Fußball) oder »der Grüne/grüne Punkt«. Immer groß wird das Adjektiv in Eigennamen geschrieben, z. B. »das Rote Kreuz« oder »das Schwarze Meer«. (19. Oktober 2015)

KW 42/2015

Ohne Wenn und Aber

»Wenn« und »aber« sind Konjunktionen. Diese schreibt man stets klein – ohne Wenn und Aber. Moment mal, wird der eine oder andere jetzt einwenden; warum schreibt man denn »ohne Wenn und Aber« groß? Weil es sich um eine Substantivierung handelt! Die Paarformel »Wenn und Aber« wird im Sinn von ›Zweifel‹, ›Einwände‹, ›Vorbehalte‹ verwendet. (12. Oktober 2015)

KW 41/2015

Dankeschön! Bitte richtig!

FotobeweisWas ist der Unterschied zwischen »Danke schön«, »danke schön« und »Dankeschön«? Getrennt geschrieben wird in Fällen wie: »Ich möchte dir danke schön sagen«. »Danke« kann man hier sowohl groß- als auch kleinschreiben, beides ist korrekt. Wird die Formel jedoch substantiviert, also als Nomen verwendet, schreibt man sie zusammen und groß: »Als kleines Dankeschön möchte ich dich zum Essen einladen!« Die nominalisierte Formel weist also zwei Bedeutungen auf: zum einen geäußerte Dankesworte, zum anderen eine kleine Aufmerksamkeit, mit der man sich bedankt – also danke sagt oder Danke sagt. (05. Oktober 2015)

KW 40/2015

»Wireless Local Area Network« oder kurz: WLAN

WLAN ist ein Initialkurzwort aus dem Englischen: »wireless local area network«. Zu Deutsch also ein »drahtloses lokales Netz«, das für den kabellosen Internetzugang verwendet wird. Noch bevor es WLAN gab, gab es natürlich LAN. Im Duden Fremdwörterbuch ist unter WLAN auch die Erklärung »drahtloses LAN« zu finden. So ist es denn auch nicht abwegig, die Schreibweise »W-LAN« oder »W-Lan« zu wählen. Korrekt ist aber nur die Schreibweise als einheitliches Kurzwort ohne Bindestrich: »WLAN«. (28. September 2015)

KW 39/2015

Worum es hier geht? Um was wohl?

Bestimmt sind alle neugierig, worum es im heutigen Tipp der Woche geht! Oder vielleicht auch um was es geht? »Worum« ist ein Pronominaladverb, also ein Adverb, das sich pronominal auf eine Präpositionalgruppe wie um die Wurst bezieht. Es handelt sich um eine Kombination aus dem Adverb »wo« und der Präposition »um«. Bei der Bildung von Pronominaladverbien, bei denen die Präposition mit einem Vokal beginnt, wird an das Adverb ein »r« angehägt, also »wo-r-um«. In der geschriebenen Standardsprache wird meist die Form »worum« verwendet, in der gesprochenen Umgangssprache dahingegen oftmals die Variante »um was«. Worum handelt es sich also, wenn man die eine oder andere Variante wählt? Richtig: um eine stilistische Entscheidung. (21. September 2015)

KW 38/2015

Starke Mütter, starke Verben!

FotobeweisAm 8. September war in der Aargauer Zeitung (CH) folgende Bildunterschrift zu lesen: »Spender verwechselt: Jennifer Cramblett gebärte ein schwarzes Baby.« Und auch der Journalist hat hier etwas verwechselt: »gebären« ist kein schwaches, sondern ein starkes Verb. Starke Verben weisen einen Ablaut auf, d. h. der Stammvokal unterscheidet sich in den Formen des Präsens, Präteritums und Partizip Perfekts, im Fall von »gebären« beispielsweise ä/ie–a–o: »sie gebärt« oder »sie gebiert«, »sie gebar« und »sie hat geboren«. Betrachtet man allerdings sprachgeschichtliche Entwicklungen, so kann festgestellt werden, dass starke Verben über einige Zeit hinweg zu schwachen Verben konvertiert werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist »backte« statt »buk«; hier ist die schwache Form bereits akzeptiert, »buk« ist im Duden sogar schon als »veraltend« markiert. Beim Verb »gebären« dahingegen muss die Form »sie gebärte« noch als ›futuristisch‹ gekennzeichnet werden. ;-) (14. September 2015)

KW 37/2015

sodass oder so dass?

Schreibt man die Konjunktion »sodass« oder »so dass«? Beide Varianten sind korrekt. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in Bezug auf mehrteilige Konjunktionen entschieden, dass die Schreibenden selbst entscheiden können, ob sie die Konjunktion als Zusammensetzung oder als Wortgruppe verstanden habe möchten, sofern die einzelnen Bestandteile noch deutlich erkennbar sind. So oder so gilt wie immer: In einem Text sollte man sich für eine Variante entscheiden und diese dann konsequent verwenden! Das Komma wird gleich gesetzt wie bei Sätzen mit einem einfachen »dass«: »Ich habe diese Regel nun gelernt, so dass ich in Zukunft keinen Fehler mehr machen werde.« (07. September 2015)

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