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Tipp der Woche: 10 Wochen im Rückblick

Rechtschreibfehler oder Schreibvarianten? Oder nur eine stilistische Variante? Wir klären wöchentlich einen Zweifelsfall auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie uns, gern mit Fotobeleg der Auffälligkeit, an info@correctura.com.

KW 37/2015

sodass oder so dass?

Schreibt man die Konjunktion »sodass« oder »so dass«? Beide Varianten sind korrekt. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in Bezug auf mehrteilige Konjunktionen entschieden, dass die Schreibenden selbst entscheiden können, ob sie die Konjunktion als Zusammensetzung oder als Wortgruppe verstanden habe möchten, sofern die einzelnen Bestandteile noch deutlich erkennbar sind. So oder so gilt wie immer: In einem Text sollte man sich für eine Variante entscheiden und diese dann konsequent verwenden! Das Komma wird gleich gesetzt wie bei Sätzen mit einem einfachen »dass«: »Ich habe diese Regel nun gelernt, so dass ich in Zukunft keinen Fehler mehr machen werde.« (07. September 2015)

KW 36/2015

Unternehmen oder Unternehmung?

Was ist der Unterschied zwischen »Unternehmen« und »Unternehmung«? Das Verbalsubstantiv »Unternehmen« hat zwei Bedeutungen, und zwar versteht man darunter erstens etwas, das unternommen wird, also eine Tat, ein Vorhaben. Zweitens bezeichnet man damit auch Wirtschaftsbetriebe, also Firmen. Für die letztgenannte Bedeutung ist nur die Bezeichnung »Unternehmen« gebräuchlich, wohingegen bei der ersten Bedeutung sowohl »Unternehmung« als auch »Unternehmen« möglich sind. (31. August 2015)

KW 35/2015

Der oder das Korpus?

Korpus für Datensammlung ist neutral (sächlich), der Körper (med.) maskulinEs gibt auf dieser Welt zwei verschiedene Arten von »Korpus«, und zwar unterscheidet man »der Korpus« und »das Korpus«. Bei beiden Bedeutungen liegt der Ursprung im lateinischen Wort »corpus« für Körper. Wenn »Korpus« im Maskulinum verwendet wird, bezeichnet man damit bei Möbeln die massive Gestalt, beispielsweise bei einem Schrank alles außer den Türen und dem Inhalt wie Schubladen oder Regalböden. In der Umgangssprache wird damit scherzhaft auch der menschliche Körper bezeichnet. Der Plural von »der Korpus« lautet »die Korpusse«. »Die Korpora« hingegen ist die Pluralform von »das Korpus«, welches auch im lateinischen schon die Bedeutung »Sammlung« oder »Gesamtwerk« trug. Man versteht darunter allgemein eine (Beleg-)Sammlung von Texten, in der Sprachwissenschaft etwa eine – oftmals als Datenbank angelegte – Sammlung von Texten oder Äußerungen, die die Basis für empirische linguistische Untersuchungen dienen. Liegt diese Sammlung digital vor, so kann »das Korpus« auch gelöscht werden. Der Klangkörper eines Seiteninstruments wird übrigens auch als »Korpus« bezeichnet, wobei hier sowohl »der Korpus« als auch »das Korpus« korrekt sind. (24. August 2015)

KW 34/2015

Pinnwand oder Pinwand?

Spätestens seit Facebook und Co. hört man das Wort »Pinnwand« häufiger als früher. Ursprünglich wurde damit eine (Kork-)Tafel bezeichnet, an die man mit Stecknadeln Zettel befestigen konnte. Mittlerweile wird der Ausdruck aber auch im übertragenen Sinne verwendet für Seiten einer Person, auf denen in Internet-Communitys Nachrichten öffentlich hinterlassen werden können. Oft trifft man auch die inkorrekte Schreibweise »Pinwand« an. Dies wahrscheinlich in Anlehnung an das englische Wort »pin« für Stecknadel oder auch an das Kompositum »Pinboard«, welches auch als Fremdwort im Deutschen nur mit einem »n« geschrieben wird. Die »PIN« im Sinne von Geheimnummer für Bankkarten, Smartphones etc. hat mit »pin« übrigens rein gar nichts zu tun. Es handelt sich um das englische Initialkurzwort von »Personal Identification Number«, also eine persönliche Identifikationsnummer. (17. August 2015)

KW 33/2015

Der oder das Lanyard?

FotobeweisWie schreibt man eigentlich [ˈlɛnjət]? Dieses längere Band, das man sich um den Hals hängen und an dem man Schlüssel u. ä. befestigen kann? Das aus dem Englischen stammende Wort »Lanyard« wird mit ›a‹ geschrieben, und nicht, wie man aufgrund des ungerundeten, halboffenen Vorderzungenvokal [ɛ] eventuell vermuten könnte, mit ›e‹. Bleibt noch die Frage zu klären: der oder das Lanyard? Beides ist korrekt! (10. August 2015)

KW 32/2015

Nix los hier: Sauregurkenzeit!

Nun befinden wir uns in der Zeit des Jahres, in der saisonbedingt kaum etwas los ist: in der Sauren-Gurken-Zeit. Das Wort stammt aus der berlinischen Kaufmannssprache und bezeichnete die Zeit im Hochsommer, in der die Gurken sauer eingelegt wurden und in den Geschäften wenig los war. Wenn das Wort unflektiert verwendet wird, kann man sowohl »Sauregurkenzeit« als auch »Saure-Gurken-Zeit« schreiben. Wird »sauer« aber flektiert, dann muss zwingend die Schreibung mit Bindestrichen gewählt werden: Wegen der Sauren-Gurken-Zeit lohnt es sich momentan nicht, sich eine Zeitung zu kaufen. (03. August 2015)

KW 31/2015

Neu. Jetzt probieren!

FotobeweisBei diesen sommerlichen Temperaturen einen kühlen Kopf zu bewahren, scheint so manchem nicht zu gelingen. Am besten erscheint es da, eine gekühlte Limonade zu sich zu nehmen. Vielleicht mag man ja auch mal eine neue Geschmacksrichtung »Probieren«? Der Hersteller findet das Getränk so großartig, da kann man schon mal das Verb groß schreiben, nicht wahr? Nein, in diesem Fall besser nicht! Verben können zwar substantiviert werden, dann schreibt man sie groß: »Das Probieren der Limonade hat sich gelohnt!« Doch das ist hier – rein in Bezug auf die Orthographie natürlich – nicht der Fall. Im Übrigen muss dieser Fehler nicht hausgemacht sein: MS Word setzt standardmäßig den ersten Buchstaben einer Zeile groß; diese mitunter nervige Autokorrektur lässt sich aber in den Optionen abstellen. (27. Juli 2015)

KW 30/2015

»Der Iran« oder »Iran«?

Das Land »Iran« erfährt dieser Tage große Beachtung wegen der Einigung hinsichtlich seines Atomprogramms. Dabei ist sowohl von »dem Iran« als auch von »Iran« – also artikellos – zu lesen. Die gute Nachricht vorab: Man hat freie Wahl. Zumindest bei den Maskulina (Irak, Kongo), bei denen der Artikel immer öfter gestrichen wird. Bei den (im grammatischen Sinne) neutralen Staaten wie Deutschland, Österreich und Dänemark fällt der Artikel im Regelfall weg, wenn nicht attribuiert, also etwa von »dem schönen Österreich« gesprochen wird. Bei den wenigen femininen Staatsnamen (die Schweiz, die Türkei) wird der Artikel hingegen verwendet. Obligatorisch ist der Artikel bei Pluralformen: die Niederlande und die USA. Hier sollte dann auch das Verb kongruieren, also nicht Die Niederlande hat ..., sondern Die Niederlande haben leckeren Käse. (20. Juli 2015)

KW 29/2015

Heißt es abrupt oder aprupt?

Manchmal geschehen Dinge ziemlich abrupt, plötzlich und unvermittelt, ohne dass jemand damit gerechnet hätte. Dass manche Leute »aprupt« schreiben, ist allerdings nicht besonders erstaunlich, denn ausgesprochen wird das Wort aufgrund der Auslautverhärtung ja auch [apˈrʊpt]. Das Wort stammt vom lateinischen Partizip »abruptus« ab, das zum Verb »abrumpere« gehört, zu Deutsch: »abreißen«. Und wer dies weiß, hat auch gleich eine passende Eselsbrücke parat: »ABRupt« fängt gleich an wie »ABReißen«. (13. Juli 2015)

KW 28/2015

Kebab oder Kebap?

FotobeweisHeißt es eigentlich Kebab oder Kebap? Schlendert man durch deutsche Städte, so trifft man beide Schreibweisen an, wobei »Kebab« etwas häufiger anzutreffen ist. Das Wort kam aus dem Türkischen, wo es mit »p« geschrieben wird, ins Deutsche, stammt aber ursprünglich aus dem Arabischen »kabāb«. Im Duden ist denn auch unter »Kebap« zu lesen:
»türkische Schreibung von Kebab«. Der Duden empfiehlt die Schreibweise »Döner Kebab«, zulässig sind darüber hinaus aber auch »Döner Kebap«, »Dönerkebab« und »Dönerkebap«. (06. Juli 2015)

KW 27/2015

Polizei: Für den Fall der Fälle

FotobeweisKürzlich war zu lesen, dass die Hälfte aller Polizeibewerber in Zürich den Deutschtest nicht besteht, der im Rahmen des Aufnahmeverfahrens absolviert werden muss. Im Tagesanzeiger erschien daraufhin ein Quiz mit dem Titel »Sprechen Sie Polizei-Deutsch?« und mit der Frage: »In welchem Fall steht das grossgeschrieben Objekt«? Da wurde im Eifer des Gefechts doch glatt die Adjektivflexion vergessen! Der bestimmte Artikel verlangt allerdings eine schwache Flexion und nicht keine: »das grossgeschriebene Objekt«. (29. Juni 2015)

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